Sportfernsehen : Ring-Kampf

Der Poker um die TV-Rechte für die Spiele 2014/16 beginnt. ARD und ZDF könnten leer ausgehen, wenn der Pay-TV-Sender Sky seine italienische Karte zieht.

Sonja Pohlmann
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In Peking 2008 kamen noch ARD und ZDF zum Zug. Für die Übertragung der Olympischen Spiele 2014/2016 bekommen die...AFP

Noch steht nicht fest, wo die Olympischen Sommerspiele 2016 stattfinden. Ob in Madrid, Chicago, Rio de Janeiro oder Tokio, entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) erst im Oktober – doch schon jetzt müssen sich die Fernsehsender um die Übertragungsrechte für Deutschland bewerben. Nächste Woche Freitag, am 31. Juli, endet die Frist. Bis dahin müssen die Sender dem IOC in Lausanne die Summe nennen, die sie für die Winterspiele 2014 im russischen Sotschi und die Sommerspiele bieten. Dass der Zuschlag an ARD und ZDF geht, ist dabei keineswegs sicher. Erstmals seit mehr als 50 Jahren könnten die Öffentlich-Rechtlichen leer ausgehen.

Überraschend hatte das IOC Ende 2008 das Angebot der europäischen Sendevereinigung European Broadcasting Union (EBU), in der auch ARD und ZDF Mitglieder sind, abgelehnt. Zu niedrig, hieß es. Beide öffentlich-rechtlichen Sender reagierten empört, schließlich hatte das IOC seit 1956 mit der EBU zusammengearbeitet, um die Olympischen Spiele einem größtmöglichen Publikum präsentieren zu können, wie der damalige EBU-Präsident Fritz Pleitgen sagte. 640 Millionen Euro soll die EBU für das Paket 2014/2016 geboten haben, noch einmal acht Prozent mehr, als für die erworbenen Übertragungsrechte der Spiele in Vancouver 2010 und in London 2012.

Doch das scheint dem IOC nicht gereicht zu haben, mehr eine Milliarde Dollar dürfte das Komitee für die Fernsehrechte in Europa herausschlagen wollen – um so die erwarteten Mindereinnahmen aus den USA auszugleichen. Dort hatte der Sender NBC angekündigt, für 2014/2016 weniger zahlen zu wollen.

Die Strategie des IOC: eine Aufteilung in zwei Märkte. Die Rechte für die 40 Nebenmärkte, zu denen die eher kleinen Länder zählen, gingen bereits im Februar an den Sportrechtehändler Sportfive. Er setzte sich gegen seinen Schweizer Konkurrenten Infront durch und darf nun die Spiele 2014/2016 in Europa im Free-TV, Pay-TV, Internet und dem Handy vermarkten. Deutlich über 200 Millionen Euro soll die Agentur dafür gezahlt haben. Wichtiger sind aber die fünf Hauptmärkte, in denen das IOC jetzt direkt verhandelt. Zu ihnen zählen Frankreich, Spanien, England, Italien und Deutschland – und hier wird nun kräftig gepokert.

In Deutschland treten ARD und ZDF vermutlich gegen die Agenturen Sportfive und Infront sowie Sky (früher Premiere) an. Besonders der Bezahlsender könnte für die Öffentlich-Rechtlichen zur Konkurrenz werden: Schon in Italien hatte Sky Italia der frei empfangbaren RAI-Gruppe die Senderechte weggeschnappt. RAI protestierte daraufhin beim IOC und monierte, dass Bezahlsender, die über größere finanzielle Ressourcen als Öffentlich-Rechtliche verfügten, vom IOC einseitig bevorzugt würden. Für Frankreich und Deutschland zeichnete RAI ein ähnliches Szenario.

Ausgeschlossen ist dies nicht. Das IOC will maximale Reichweiten für die Übertragung erzielen – und die muss inzwischen nicht mehr nur über Fernsehsender, sondern auch übers Netz und Handy gesichert sein. Insbesondere, um auch das junge Publikum zu erreichen. Doch gehen die gebotenen Summen der Öffentlich-Rechtlichen und der Privaten zu sehr auseinander, wird noch einmal nachverhandelt, heißt es aus dem Entscheiderkreis. Sollte ein Bezahlsender wie Sky zum Zug kommen, müssen aber mindestens 200 Stunden Olympia ans Free-TV abgegeben werden – jedoch nicht zwangsläufig an ARD und ZDF. Auch die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 sagte dem Tagesspiegel, in Gesprächen mit dem IOC zu sein.

Auf welche Strategie die Öffentlich-Rechtlichen setzen, um den Zuschlag zu bekommen, verrieten sie nicht. Beide Sender wollten sich mit dem Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht äußern. Nach Ablauf der Bewerbungsfrist will das IOC schnellstmöglich entscheiden, wer die Spiele übertragen darf.

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