Sportrechte im Fernsehen : Randsport im Fokus?

TV-Rechte für Fußball werden immer teurer. Für kleine Sportarten könnte das auch eine Chance sein.

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In die Riemen sollen sich auch ARD und ZDF bei Sportübertragungen legen.
In die Riemen sollen sich auch ARD und ZDF bei Sportübertragungen legen.Foto: dpa

Man wolle einen Blick in die Glaskugel werfen, hatte Kaweh Niroomand, Vorstand des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI), zur Begrüßung anlässlich einer Diskussion am Mittwochabend angekündigt. Doch um die Zukunft der TV-Rechtevergabe im Sport, wie es in der Einladung geheißen hatte, ging es erst am Ende des Abends, als auch das Publikum Fragen stellen durfte.

„Ich glaube, dass die Zersplitterung der TV-Rechte noch deutlich weiter gehen wird“, sagte Axel Balkausky, der für die ARD die Sport-Übertragungsrechte verhandelt. Wer dafür verantwortlich sei, dass sich Zuschauer ab der nächsten Saison drei Abos zulegen müssen, wenn sie Fußball-Bundesliga und Champions League sehen wollen? Das wusste Balkausky: „Die Zuschauer, die sich immer mehr Abos zulegen.“

Zu diesen Abonnenten gehört Katrin Müller-Hohenstein seit dieser Saison nicht mehr. Die ZDF-Moderatorin habe ihr Sky-Abo gekündigt, seitdem Eurosport einen Teil der Bundesligaspiele zeigen dürfe. „Der Fußball hat in Deutschland inzwischen einen Stellenwert, der ihm nicht zusteht“, sagte sie und traf damit bei Michael Vesper einen Nerv.

Man müsse jeden Cent, den man ausgebe, rechtfertigen

Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbunds plädierte dafür, kleineren Sportarten mehr Raum im TV einzuräumen. „Es gibt viele Sportarten, die nur wegen der Olympiaübertragung überleben.“ Das erfolgreiche Beispiel der Wintersport-Übertragungen wünsche er sich auch für Sommersportarten wie Rudern oder Kanu. Vesper räumte aber auch ein, dass die Verbände einheitlicher agieren und auf die TV-Anstalten zugehen müssten. Trotzdem: „Manchmal wird ein Drittligaspiel olympischem Sport vorgezogen, da hat das Öffentlich-Rechtliche auch einen Auftrag.“

Das Sportprogramm bestehe zu 20 Prozent aus Fußball, entgegnete Balkausky. 35 Prozent decke der Wintersport ab, 45 Prozent andere Sportarten. Wie prominent deren Sendeplatz ist, teilte er nicht mit. „Wenn wir nicht relevant sind, haben wir kein Recht, andere Sendungen zu verdrängen“, sagte Balkausky und verwies auf schwache Quoten beim Randsport. Man müsse als Öffentlich-Rechtliche jeden Cent, den man ausgebe, rechtfertigen. Vor dem Hintergrund der Sparbemühungen bei ARD und ZDF wolle man auf Kooperationen mit Bezahlsendern setzen.

Die Übertragung der Handball-Bundesliga teilen sich Sky, ARD und ZDF. Wichtige Spiele werden im Free-TV zu sehen sein. „Auf andere Programme werden wir verzichten müssen“, sagte Balkausky. Deshalb müsse sich die Politik fragen lassen, ob sie dem nicht mit Schutzlisten, wie es sie für Olympia und Fußball-WM gibt, entgegenwirken wolle. Von der Politik war niemand zur Diskussion eingeladen worden, so blieb die Glaskugel trüb.

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