Medien : "Sportschau": Sprach-Bilder

Joachim Huber

Günther Koch hält die Idee für "hochinteressant". "Es kommt auf einen Versuch an", sagte der Radio-Reporter des Bayerischen Rundfunks dem Tagesspiegel. In der ARD kursieren Überlegungen, ab der kommenden Bundesliga-Saison Hörfunkreporter über die Spiele am Sonnabend in der "Sportschau" berichten zu lassen. Dazu könnte kurz nach dem Schlusspfiff live in die Stadien zu den Reportern geschaltet werden. Zusätzlich sollte man Fotos von den Torschüssen einblenden, hieß es in der ARD. Günther Koch meinte, die Folge der Bilder müsste gut ausgewählt sein, damit sich der Reporter und die Bilder nicht widersprächen. Hörfunk-Reporter seien jedenfalls in der Lage, stehende Bilder in bewegte zu übersetzen: "Wir malen doch heute schon Sprachbilder." Bei der Länge seines Nach-Kommentars kann sich Koch zwischen "30 Sekunden und fünf Minuten alles vorstellen". Dass die Radio-Reporter plötzlich Fernsehgesichter bekämen, würde den "Meistersinger von Nürnberger", wie Koch von seinen Fans auch genannt wird, nicht stören.

"Die Sportschau soll mit aktuellen Fotos und Reporter-Statements aufgewertet werden", unterstrich der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen die Ernsthaftigkeit der Überlegungen. Noch schwankt der Senderverbund, ob Hörfunk- oder Fernsehreporter die "Radio-Berichte" sprechen sollen. Der Einsatz von Radio-Mitarbeitern im Fernsehen könnte das Problem mit sich bringen, dass die ARD die Existenz von Hörfunkrechten anerkennt. Nach ihrer Lesart existieren diese gar nicht. Momentan läuft Fußball im Hörfunk unter den TV-Rechten mit. Ändert die ARD ihre Berichterstattung, könnten neue Streitigkeiten und Rechtekosten auf sie zukommen.

Hans-Jürgen Pohmann, Abteilungsleiter Sport beim Fernsehen des Sender Freies Berlin, nennt die Überlegungen ein "Hilfskonstrukt. Immerhin zeigen sie, dass die ARD querdenken - und sich wehren kann." Laut Pohmann hat es vor einigen Jahren bereits Vergleichbares gegeben. "Ein, zwei Mal haben wir es versucht." Richtig überzeugend muss es nicht ausgefallen sein, so schnell wurde der Versuch wiedereingestellt.

Das Konzept setzt die Diskussion um die TV-Berichterstattung über die Bundesliga fort. Bisher steht fest, dass die Liga die vier Anpfifftermine je Spieltag auf zwei reduzieren will: sieben Begegnungen am Sonnabend (15 Uhr 30), zwei am Sonntag (17 Uhr 30). Die neue Planung kommt der Fan-Initiative "15:30" und der Kirch-Gruppe entgegen, die die Fernsehrechte bis 2004 hält. Kirch will den reformierten Spieltag für sein defizitäres Pay-TV Premiere World nutzen. Trotz hoher Investitionen stagniert dessen Abonnenten-Zahl bei 2,4 Millionen, nach "Spiegel"-Angaben lag das Minus allein in den vergangenen zwölf Monaten bei fast 1,4 Milliarden Mark. Nur bei Premiere World sollen wie bisher alle Partien live gezeigt werden, nur dort soll es gegen 17 Uhr 30 eine erste Zusammenfassung des Fußball-Sonnabends gegeben. Die Verwertung im frei empfangbaren Fernsehen bliebe Sat 1 und seiner "ran"-Sendung überlassen, die aber erst um 20 Uhr 15 beginnen soll. Zwischen Abpfiff und Fernsehbericht lägen beinahe drei Stunden, was die Fans offenbar so erschrecken soll, dass sie sich ein Premiere-Abo besorgen.

Möglicherweise gibt es bereits vor 20 Uhr 15 Fernsehaufnahmen. ARD und ZDF bestehen darauf, in ihren Nachrichtensendungen bewegte Bilder zu zeigen. Wie bisher sollen in der um 20 Uhr beginnenden ARD-"Tageschau" von zwei Spielen Kurzberichte zwischen 20 und 30 Sekunden laufen. Ähnlichen Umfang soll die Bundesliga-Berichterstattung in der "heute"-Sendung des ZDF behalten, die bereits um 19 Uhr beginnt. "Wir wollen den Status quo erhalten", sagte ein ZDF-Sprecher und dementierte damit Gerüchte, dass in "heute" von mehreren Spielen Ausschnitte gezeigt werden sollen. Das ZDF-"Sportstudio" wird wie bisher Zweitverwerter der TV-Rechte sein und gegen 22 Uhr eine Zusammenfassung senden.

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