"Sportstudio" : Töpperwiens besonderer Abschied

Nach 1444 Spielberichten hat Rolf Töpperwien das "Sportstudio" und das ZDF verlassen.

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Ja, wo ist er denn? Da wünscht man sich einmal wirklich, Rolf Töpperwien auf dem Bildschirm zu sehen, weil es doch sein letztes Mal ist, weil man sehen will, ob er Tränen wegdrücken muss, und dann? Dann taucht er nicht auf. „Sportstudio“, das Bundesligaspiel Werder Bremen gegen Hamburger SV, und Töpperwien kommt nur aus dem Off. Da zelebriert einer wirklich seinen Abschied.

Rolf Töpperwien, der „Töppi“, das ZDF-Urgestein, hat aufgehört, nach 1444 Spielen fürs „Sportstudio“. Der Vielfach-Rollenbesetzer, Nervensäge, Kultfigur, Ranschmeißer, Sprachrohr der Bratwurst-Fans, man kann sich’s aussuchen.

Aber einiges war anders als sonst, teilweise auch nur fein dosiert. Töpperwien lieferte mehr Spielbericht als Analyse, er machte sich über Bremens Trainer Thomas Schaaf lustig, der den Siegtreffer seiner Mannschaft feierte wie Erich Honecker den Fall der Mauer. Töpperwien war laut, aber nicht so laut wie sonst. Töppi satt, das gab’s im Anschluss, bei der Hommage der ZDF-Sportredaktion an ihr fleischgewordenes Fußballarchiv. 37 Jahre Töpperwien. Sein erstes Spiel in Wuppertal. Töpperwien? War das wirklich der Töpperwien? Am Mikrofon saß ein Typ, der eher sachlich ein Tor schilderte.

Aber dieser Mix aus 37 Jahren, der zeigte auch, was man wirklich an Töpperwien verliert. Einen Typen, nicht irgendwelche journalistische Duftmarken. Viele der Interviews am Spielfeldrand hatten so viel Substanz, als würde man einen Papierkorb befragen. Und selbst bei den verbalen Duellen mit Bayern-Macher Uli Hoeneß, die zu Kult-Streitgesprächen verklärt werden, gab Töpperwien ja eher den Deeskalierer. („So böse habe ich es doch gar nicht gemeint“). Aber, unbestritten, ein paar Highlights hat er natürlich gesetzt.

Doch zu einer medialen Bedeutung konnte er nur aufsteigen, weil er sein Profil bildete, als es außer ZDF und ARD nichts anderes gab. Heute wäre er einer unter vielen Stichwortgebern, auffällig höchstens durch sein extremes Grinsen.

Am Sonntag feierte Rolf Töpperwien seinen 60. Geburtstag. Happy birthday, nachträglich. Frank Bachner

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