Sportzeitung : Ribéry und die Hintermänner

Ein Berliner Verleger verblüfft mit dem Start einer täglichen Sportzeitung die Branche.

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Repro: Tsp

Bundestrainer Joachim Löw dürfte einen neuen Unterstützer haben: den Berliner Verleger Michael Hahn. Am Montag hat Hahn eine tägliche Sportzeitung an den Start gebracht. „Der Sport-Tag“ liegt mit einer Auflage von 150 000 an Berliner Kiosken. Diese Woche sollen Druckstandorte in Norddeutschland und im Ruhrgebiet hinzukommen. Das Vorbild in Italien, „La Gazzetta dello Sport“, wird durchschnittlich 630 000 Mal gedruckt. Die größte erreichte Auflage dort betrug 2,3 Millionen – nach dem Weltmeistertitel der Nationalmannschaft bei der WM 2006.

Deutschland als Weltmeister in Südafrika? Darauf sollte Hahn nicht setzen. Vor allem der Axel Springer Verlag arbeitet seit Jahren am Thema Sportzeitung. Der Verlag wird sich den „Sport-Tag“ genau anschauen. Branchenkenner geben der Zeitung keine großen Chancen. Von „cashburning“ ist die Rede. Hahn verweist darauf, dass das Projekt nicht am Geld scheitern werde. Hinter dem Blatt stehen „zwei Gesellschafter und fünf stille Teilhaber“, dabei der Berliner Immobilienunternehmer Patrick Juhnke.

Kleinverleger Hahn war bislang mit Programm-Titeln wie „nurTV“ oder „TV Sudoku“ aufgefallen, die inzwischen im Gong-Verlag erscheinen. Mit seinen jüngsten Titeln, dem mittlerweile insolventen Monatstitel „TV 49“ und dem Gutschein-Magazin „Megabon“ hatte der 45-Jährige weniger Glück. „Der Sport-Tag“, die erste Ausgabe am Montag, hat zumindest wenig falsch gemacht, auch wenn man sich fragt, wer die x-te Geschichte zu Bayern-Star Franck Ribéry lesen soll und wie die 24 Seiten in fußballarmen Zeiten gefüllt werden. Neben Fußball sollen es die Themen Formel 1, Handball, Basketball, Eishockey und Golf richten. Und vielleicht Joachim Löw.

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