Medien : Springer kann wieder Geld ausgeben

Vertriebserlöse kompensieren Anzeigenrückgänge. Neue Titel im In- und Ausland geplant

Ulrike Simon

Die Axel Springer AG profitiert von ihren Spar- und Konsolidierungsmaßnahmen. Seit anderthalb Jahren wird nach und nach jeder Bereich des Verlages zerlegt und neu zusammengesetzt, umgebaut, verkleinert oder abgestoßen. Manches wurde eingestellt oder verkauft, überall wurde geprüft, wie man Kosten senken könnte. Der Schock saß tief, als der Verlag vor zwei Jahren erstmals in seiner Geschichte sogar Verluste schrieb: 198 Millionen Euro waren es 2001. Das vergangene Jahr schloss der Verlag dann mit einem Überschuss von 60 Millionen Euro ab. Im ersten Halbjahr 2003 sind es nun bereits 90 Millionen Euro Überschuss bei einem stagnierenden Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. Für Optimismus, dass die konjunkturelle und branchenweite Krise zu Ende sei, gebe es jedoch keinen konkreten Anlass, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner am Donnerstag bei der Präsentation der Halbjahreszahlen 2003: „Wir sind nicht am Ende des Tunnels, aber wir sehen Licht in der Mitte des Tunnels.“

Springer konnte den Umsatz nur deshalb auf Vorjahresniveau halten, weil die Anzeigenrückgänge von 5,5 Prozent auf 480 Millionen Euro ausgeglichen werden konnten durch die Anhebung der Verkaufspreise der Zeitschriften und Zeitungen. Daraus resultierten um 5,5 Prozent höhere Vertriebserlöse (567 Millionen Euro). Der Anteil des Vertriebsumsatzes hat sich entsprechend auf 47,3 Prozent erhöht, während sich der Umsatzanteil der Anzeigen auf 40 Prozent verringert hat. Besonders von Rückgängen betroffen waren von Januar bis Juli 2003 die Zeitungen. Ihr Umsatz sank um sechs Millionen. Allerdings haben die Zeitungen nach Angaben von Springer ihr Ebita – also das (Umsatz-)Ergebnis vor (Schuld-)Zinsen, Ertragssteuern und Abschreibungen – um 88 Prozent auf 81 Millionen Euro verbessert. Gar verdoppeln konnten dieses Ergebnis die Zeitschriften. Bei den elektronischen Medien (Bild.de) gelang es dem Verlag, die Verluste von neun auf eine Million Euro abzubauen. Insgesamt steigerte Springer das um Sondereffekte bereinigte Ebita von 50 auf 120 Millionen Euro. Zudem ist das Haus quasi wieder schuldenfrei. Die liquiden Mittel betragen 211 Millionen Euro.

Kurzum: Springer hat wieder Geld zum Ausgeben. Zum Beispiel in eine neue, junge Frauenzeitschrift mit dem Titel „Lola“, die im Oktober erscheinen soll. Die 20-köpfige Redaktion ist beim Münchner AS Young Mediahouse angegliedert. Diese Springer- Tochter bezeichnete Döpfner am Donnerstag als „strategisch besonders wichtig“ für den gesamten Verlag, da sie mit ihren Titeln („Yam“, „Starflash“, „Rolling Stone“) gegen den Trend Auflagensteigerungen erziele und gerade die jungen Zielgruppen erreiche (Döpfner: „Wir sind stolz darauf, mit ,Hammer’ bei Springer auch eine Heavy-Metal- Zeitschrift herauszugeben.“).

Mit weiteren Ankündigungen für neue Objekte in Deutschland hält sich der Verlag zurück und verweist darauf, dass rund um die Marke „Bild“ weitere Ableger denkbar seien und bestehende (etwa „Gesundheits-Bild“) künftig regelmäßig erscheinen könnten. Anders sieht es im Ausland, insbesondere in Osteuropa aus. In Polen steht Springer kurz davor, eine populäre Tageszeitung, also eine Art „Bild“ auf Polnisch, auf den Markt zu bringen. Springer ist im polnischen Medienmarkt die Nummer 2 und würde mit dem neuen Objekt einen deutlichen Schritt weiter kommen, um (wie bereits in Ungarn) Marktführer zu werden. Darüber hinaus prüft der Verlag, in den russischen Medienmarkt einzusteigen – so wie es vor langer Zeit bereits Burda und vor einigen Jahren Gruner + Jahr vorgemacht haben.

Gespart wird bei Springer zwar weiterhin, ab sofort soll aber auch wieder investiert werden. Folglich, mahnte Vorstandschef Döpfner zur Vorsicht, dürfe man nicht davon ausgehen, dass sich der in der ersten Jahreshälfte 2003 erzielte Überschuss in Höhe von 90 Millionen Euro bis zum Ende des Jahres verdoppelt haben wird. „Das Ergebnis des ersten Halbjahres ist auf das zweite nicht zu übertragen, da wir im ersten Halbjahr nicht in ergebnisbelastender Weise investiert haben, dies aber jetzt tun werden.“ Insgesamt werde das Ergebnis für das Gesamtjahr 2003 aber über dem des Vorjahres liegen, prognostizierte Döpfner und korrigierte damit seine vor einigen Monaten getroffene Vorhersage nach oben.

Abgesehen von schnelleren Entscheidungswegen und Einsparungen, die sich Springer erhofft, indem der Verwaltungsapparat verschlankt und der Sitz künftig Berlin sein wird, gibt es noch zwei mögliche Zusatzgeldquellen: Döpfner nannte den Weltkunstverlag in München und die profitable Produktionsfirma Schwartzkopff-TV, als er sagte: „Käme dafür ein sehr attraktives Kaufangebot, würden wir unserer Logik folgen und fragen, ob das zum Kerngeschäft gehört.“

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