Medien : Springer unterliegt Wallraff Schriftsteller darf nicht Stasi-IM genannt werden

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Das Hamburger Landgericht untersagte am Freitag den SpringerZeitungen „Welt“ und „Berliner Morgenpost“, Günter Wallraff weiter als „Stasi-IM“ zu bezeichnen. Der Kammer habe zwar eine Fülle von Dokumenten des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit vorgelegen, die Hinweise auf den Kläger enthielten. Letztlich habe aber keines dieser Dokumente belegen können, dass der Publizist „wissentlich und willentlich für die Staatssicherheit der DDR tätig gewesen wäre“, hieß es in der Begründung des Gerichts.

Im Sommer 2003 hatten die Springer- Blätter Wallraff vorgeworfen, als Inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi-Auslandsspionage gearbeitet zu haben. Sie waren in der „Rosenholz“-Datei auf einen „IM Wagner“ gestoßen, mit dem Wallraff gemeint war. Eine Registrierung als IM beweise aber noch nicht eine tatsächliche Tätigkeit für den DDR-Geheimdienst, stellte das Gericht nun fest. Wallraffs Kontakte zu DDR-Vertretern in der Zeit zwischen 1968 und 1971 seien „immer journalistisch veranlasst und gerechtfertigt“ gewesen, sagte sein Anwalt Helmuth Jipp.

Weiterhin zulässig ist es allerdings, über den Verdacht einer Stasi-Mitarbeit Wallraffs und die entsprechenden Dokumente der Birthler-Behörde zu berichten. Darauf bezog sich Jan-Eric Peters, Chefredakteur von „Welt“ und „Berliner Morgenpost“, als er am Freitag sagte, „ein Sieg ist dieses Urteil für Günter Wallraff nicht“. Der Verlag werde prüfen, ob er in Berufung gehe.

Das Urteil gilt auch als Dämpfer für die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler. Sie hatte im vergangenen Jahr erklärt, es gebe „keine Zweifel“ daran, dass Wallraff von der DDR-Staatssicherheit als IM geführt worden sei. „Wo IM draufsteht, ist auch IM drin“, hatte sie gesagt.

Wallraff sagte am Freitag nach der Urteilsverkündung: „Ich kann nur hoffen, dass das Rachebedürfnis dieses Konzerns durch diese sorgfältige, über ein Jahr dauernde Prüfung eines ordentlichen Gerichts nun gestoppt ist.“ Wallraff war in den 70er Jahren als Enthüllungsjournalist vor allem gegen „Bild“ bekannt geworden. usi/dpa

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