Medien : Springer Verlag: Wieder ein Gegner weniger

Ulrike Simon

Um 14 Uhr waren die Würfel gefallen, die fünfzeilige Pressemitteilung wurde verschickt: Ralf Kogeler, 40, Finanzvorstand des Axel Springer Verlages, geht - "auf eigenen Wunsch", wie es so schön heißt. "Über Zeitpunkt und Nachfolge entscheidet der Aufsichtsrat, sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind."

Die Personalie endet mit einem Kommunikationsdesaster. Nachdem durchgesickert war, dass Kogeler gehen soll, hieß es, das sei halt ein junger, aufstrebender Mann, der neue Herausforderungen suche. Mehr als Finanzvorstand könne er hier nicht werden, da sei es verständlich, wenn Kogeler sich neu orientiere. Damit, dass Kogeler und der designierte Vorstandschef Mathias Döpfner nicht miteinander können, habe das überhaupt nichts zu tun. Überzeugend war das nicht. Die Rede war schließlich davon, dass Kogeler das Investitionsprogramm nicht mittragen wolle und dabei Großaktionär Leo Kirch hinter sich wisse. Nein, auch damit habe das nichts zu tun, Kogeler würde sich in der Presse als Märtyrer aufspielen, ließ Springer nun verbreiten, der Grund sei vielmehr Kogelers Inkompetenz. Es folgte eine Richtigstellung von Springer, dass es selbstverständlich keine unterschiedlichen Auffassungen zur Unternehmensstrategie gebe. Überhaupt weise man die Spekulation zurück, Kogeler würde Inkompetenz vorgeworfen. Einige Tage später hieß es, es entbehre auch jeder Grundlage, dass Leo Kirch eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung bei Springer beantragt habe. Springer kommunizierte also erstaunlich viel, nur nicht, dass Kogeler vor dem Abgang steht.

Fakt ist, dass die Gespräche zur Verlängerung von Kogelers Drei-Jahres-Vertrag anstanden. Üblicherweise wird darüber ein Jahr vor Vertragsablauf verhandelt. Kogeler kam Mitte 1999 in den Vorstand, zuständig für das damals neue Ressort Elektronische Medien und vertrat Springer im Sat 1-Aufsichtsrat. Zuvor war er für Interactive Media zuständig, baute das nie wirklich funktionierende Online-Portal Go-on auf. Als dann vor einem Jahr das Internet-Engagement zur Chefsache des künftigen Vorstandschefs Mathias Döpfner ausgerufen wurde, wurde Kogeler zum Finanzvorstand berufen.

Zu Springer gekommen war Kogeler 1992. Bei Unternehmensberater Roland Berger hatte er sich bereits um den Verlag gekümmert, nun wurde er dort Leiter des zentralen Controlling und verantwortete das Kosten-Senkungs-Programm. Seit dieser Zeit gilt Kogeler als Kirch-Mann. Und so kommt es, dass es heißt, Kirch habe Kogeler jetzt halten wollen - woraus weiter gefolgert wird, Döpfner begehe den Fehler und vernachlässige im Vertrauen auf Friede Springer Kirchs Einfluss. Döpfner hatte Kogeler vor den Vertragsgesprächen unmissverständlich deutlich gemacht, dass er einen anderen Mann als Finanzvorstand haben wolle. Es gehe hier nicht um den Machtkampf zwischen Friede Springer und Leo Kirch, heißt es nun, sondern um den Konkurrenzkampf zweier gleichaltriger, ambitionierter Manager, von denen einer die Nummer eins geworden ist. Der andere muss gehen.

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