Medien : Spuren der Angst

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Marcel, acht Jahre alt, erzählt eher stolz als schuldbewusst: „Und ich habe auch schon Feueralarm ausgelöst!“ Der Knirps hat bereits eine Odyssee hinter sich. Er wurde von seiner drogensüchtigen Mutter vernachlässigt und geprügelt, von deren Freunden missbraucht, lebte in Pflegefamilien und wird nun in der stationären Facheinrichtung „KiD“ (Kind in Düsseldorf) therapiert. Dort gelten feste Regeln, aber zugleich sollen die Kinder ihre Aggressionen und verborgenen Ängste offenbaren. Das ist ein schmaler Grat für die Betreuer, die die Symptome für Gewalt- und Missbrauchserfahrungen zu deuten versuchen. „Das Problem ist, nicht zu früh zu interpretieren, was eigentlich los ist“, sagt die Kinderpsychologin Julia von Weiler.

Hunderttausende Kinder werden jährlich sexuell missbraucht. Zugleich hat nach einigen spektakulären Fällen, in denen Menschen nach offenbar fehlerhaften Diagnosen vor Gericht gestellt wurden, ein etwas vorsichtigerer Umgang mit dem Thema eingesetzt. Jedenfalls bei „KiD“, wo ein Team aus Psychologen, Pädagogen und Kunsttherapeuten die Kinder betreut. Uli Veith erzählt in seinem exzellenten Film „Spuren der Angst“ (21 Uhr 40) im Rahmen des Arte-Themenabends „Kindesmissbrauch – Präventionsversuche“ noch von weiteren Fällen. Er beobachtet die therapeutische Arbeit und befragt auch die Mütter – auch die von Marcel. „Spuren der Angst“ ist eine Reportage, die sich für die Opfer und deren schwierige Therapie ohne Voreingenommenheit interessiert.

Und ein wohltuender Gegensatz ist zu dem Beitrag „Der unsichtbare Feind – Kindesmissbrauch im Internet“ (20 Uhr 40). Darin werden Fälle aus Frankreich geschildert, vor allem von Jugendlichen, die unter den Einfluss der Gothic-Bewegung geraten. Für den Gothic-Kult interessiert sich Autorin Anja Klabunde nicht sonderlich, offenbar hat sie nur möglichst schaurige Bespiele für die Gefahr des unkontrollierten Surfens im Internet gesucht. Irgendwie wird dann noch das Thema sexueller Missbrauch durch Chat-Bekanntschaften mit hineingemixt – fertig ist der nur gut gemeinte Beitrag.tgr

„Themenabend: Kindesmissbrauch – Präventionsversuche“, 20 Uhr 40, Arte

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