Medien : Stadion-Umbau: Wie sich Cottbus für Premiere World umrüstet

Benedikt Voigt

Was gab es nicht schon für Prüfungen für das kleine Stadion der Freundschaft in Cottbus. Da war zum Beispiel der 15. April 1997, als 20 000 Zuschauer im Schneegestöber den Einzug des damaligen Regionalligisten Energie Cottbus ins Pokalfinale bejubelten. Oder der 26. Mai 2000, als 20 400 Fans auf den Rasen strömten, um den Aufstieg der Cottbuser in die Erste Bundesliga zu bejubeln. Heute, einen Tag vor dem ersten Spiel in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund, erwartet das Stadion der Freundschaft der nächste Test. Eine Kommission hat sich angesagt, die das Stadion am Eliaspark noch einmal überprüfen will. Die Damen und Herren Prüfer sind allerdings nicht beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) angestellt, der die Bundesliga organisiert. Nein, sie kommen von Premiere World.

Seit sich die Pay-TV-Station für 750 Millionen Mark pro Jahr beim DFB die Übertragungsrechte für die Bundesliga sicherte, müssen sich die Vereine der Ersten Liga nach den Wünschen des Fernsehsenders richten. "Gewisse Vorraussetzungen müssen erfüllt werden", sagt Premiere-Mitarbeiter Dietrich Wöstehoff. Das gilt in erster Linie für die Ausstattung der Stadien, die für die Live-Übertragungen im Bezahl-Fernsehen tauglich gemacht werden müssen. "Wir haben das Problem, dass unser Stadion nie für Live-Übertragungen gebaut wurde", erklärt Ronny Gersch, Pressesprecher von Energie Cottbus, "nun investieren wir eine siebenstellige Summe in Umbauten für Premiere." Darüber hinaus muss Cottbus auch die neuen DFB-Richtlinien für die Arbeit der Medienvertreter umsetzen, die ab dieser Saison in der Ersten Bundesliga gelten. Sie sollen Premiere World die Live-Berichterstattung und die Interviews am Spielfeldrand erleichtern. Auf vier DIN-A4-Seiten erklärt der Verein den übrigen Pressevertretern, wo sie in der kommenden Saison nicht mehr hindürfen.

Mit elf Kameras und 140 Mitarbeitern hat sich Premiere World für Freitag angesagt. Den gesamten Parkplatz hinter der Haupttribüne stellen allein die Übertragungs- und Schnittwagen des Bezahl-Senders zu. Für die anderen Medien, die bislang dort parkten, richtet der Verein nun einen Shuttle-Service ein. Weil Premiere World für eine neun Mann-Crew - bestehend aus Kommentatoren und Statistikern - Plätze über der Mittellinie fordert, werden bis zum übernächsten Heimspiel gegen Frankfurt die Kommentatoren-Kabinen unter der Haupttribüne vergrößert. Beim ersten Heimspiel müssen sich die Kommentatoren noch mit einem Provisorium im Freien zufrieden geben. Schließlich gilt es noch, Platz für gläserne, schalldichte Studios von Premiere World und Sat1 zu schaffen.

Es gibt noch viele kleine Dinge, welche die Klubs durch die Liaison mit dem Pay-TV berücksichtigen müssen. Sie sollen zum Beispiel so genannte "Get-ups" in Auftrag geben. Das sind Werbeteppiche, die flach neben den Toren liegen und im Fernsehen dreidimensional erscheinen. Für diesen Effekt musste im Stadion der Freundschaft eine Kamera aufgestellt werden. "Nur bei einem bestimmten Winkel ist die Botschaft dreidimensional zu sehen", erklärt Gersch. 20 000 Mark kostet so ein Werbeteppich. Auch verleiht Energie Cottbus nach den neuen DFB-Richtlinien künftig rote, blaue und silbergraue Leibchen, um die Medienvertreter im Innenraum zu kennzeichnen. Alle Journalisten der Erstverwerter, also Premiere World und Sat 1, tragen rot, die übrigen Fernsehstationen dürfen sich als Zweitverwerter mit blau begnügen und die Fotografen tragen künftig silbergrau. Die Spieler sind angehalten, erst den TV-Journalisten in den roten Leibchen Auskunft zu geben, dann denjenigen in Blau. Erst später gibt es in einer Mixed-Zone Gelegenheit für Presse und Hörfunk, mit Spielern zu sprechen.

Weil aber über den DFB das Geld von Leo Kirch wieder an die Vereine zurückfließt, geht man in Cottbus Premiere World gerne zur Hand. "Das Produkt ist es wert", sagt Gersch, "außerdem stehen die Sponsoren in dieser Saison Schlange, um bei uns zu werben." Zuschauer verliere der Verein durch die Live-Übertragungen jedenfalls nicht. Weshalb der Cottbuser Präsident Dieter Krein über die Maßnahmen für Premiere World sagt: "Wir machen das mit Freude."

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