• Stadt, Rad, Hund: Bettina Rust holt das Beste aus ihren Gesprächspartnern raus – jetzt auch wieder im Fernsehen

Stadt, Rad, Hund : Bettina Rust holt das Beste aus ihren Gesprächspartnern raus – jetzt auch wieder im Fernsehen

Gute Beziehung: Die Moderatorin ist mit der "Hörbar Rust" und "Stadt, Rad, Hund" da gelandet, wo sie am besten hinpasst. Ein Porträt.

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Bettina Rust
Bettina Rust.Foto: rbb/Kobalt Productions

Natürlich, Bettina Rust kommt mit dem Fahrrad ins Schöneberger Café. Halt, da fehlt doch was. Mischlingshund Elli, sonst unerlässlicher Begleiter in ihrer Fernsehsendung „Stadt, Rad, Hund“. „Ach, Elli kann auch sehr gut alleine zu Hause bleiben.“ Ganz im Unterschied zum Fernsehen, wo Bettina Rust immer donnerstags mit Prominenten wie Daniel Brühl auf zwei Rädern durch Berlin fährt und ihr der Zweibeiner im Korb manchmal die Schau zu stehlen droht. Gerade ist die zweite Staffel von „Stadt, Rad, Hund“ beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) angelaufen. Es ist eines der interessanteren Formate des Senders. Bettina Rust steckt mitten in den Dreharbeiten. Wenn man die Moderatorin zwischendrin trifft, freut man sich erst mal darüber, dass ihre leicht dunkle und doch zugleich weiche Stimme genauso vertraut herüberkommt wie sonntagnachmittags bei der „Hörbar Rust“ auf Radio Eins, eine der besten Radio-Talksendungen der Republik.

Eigentlich seltsam. Bettina Rust, geboren 1967 in Hannover, hatte nie vor, Journalistin zu werden. Man muss sich die junge Frau Rust als durchaus chaotischen Menschen vorstellen. Als sie sich mit dem Reporter über ihre gemeinsame niedersächsische Herkunft aus Orten zwischen Harz und Heide verständigt hatte, platzt es nur so aus ihr heraus, über die 1980er Jahre. Neue Deutsche Welle, Punk, New Wave, Föhnfrisur, Anstehen in Plattenläden. Danach ein Studium von Kommunikation und Marketing. Mehr oder weniger zufällig geriet sie über einen Radio-Workshop in Hamburg an ein Praktikum und ein Volontariat bei OK-Radio. Dann kam das Fernsehen, bei, ja, wo eigentlich?

"Danach war ich so befreit"

Die Sender-Stationen von Bettina Rust lesen sich wie ein Guide der Nischensender quer durch die Republik, angefangen in den 1990ern mit einer viel beachteten Call-in-Sendung bei Premiere. „Es gibt komischerweise immer noch Leute, die mich auf die Sendung ansprechen.“ Da schwingt Stolz mit in ihrer Stimme. „0137 Nighttalk“ war die erste Call-in-Sendung im deutschen Fernsehen. Es folgten Talkshows bei Kabel eins und tm3. 2005 dann ein Riesen-Flopp mit dem Sat-1-Talkformat „Talk der Woche“, das nach großem Bohei vorher und nur sieben Folgen wegen schlechter Quoten eingestellt wurde. „Es ging gar nicht, und es ist ja auch nicht so, dass ich mich darum beworben habe. Für die Castings war ich nur als Sparringspartner geplant. Der damalige Sat-1-Chef Roger Schawinski hat da etwas in mir gesehen.“ Sie rührt in ihrem Cappuccino, als ob sie dort finden könnte, was das wohl gewesen sein mag. „Und dann diese Vorschusslorbeeren, auch noch im Superwahljahr, oh Gott.“ Sie fühlte sich wie gefangen. „Politischen Talk beherrsche ich definitiv nicht. Danach war ich so befreit. Es gab Dresche für zwei Wochen, und das Thema war durch. So eine große Nummer bin ich dann auch nicht.“

Es gibt Fernsehmenschen, denen so eine Dresche den Mut raubt. Es gibt aber auch Menschen, die planen ungerne und landen irgendwann trotzdem da, wo sie am besten hinpassen. Bettina Rust ist so ein Mensch. Feminin und redegewaltig, leicht ruppiger Charme (vom dem nach einer Stunde Gespräch nur der Charme übrig bleibt), vielleicht ist das Profil einer Bettina Rust auch nicht jedermanns Ding. Sie mache jedenfalls nur noch Sachen, bei denen sie 100%ig das Gefühl habe, das passt. Die Überhöhung des Fernsehens finde sie sowieso interessant. Als würde „Fernsehen machen“ irgendwas über den Inhalt aussagen.

Kurzes Innehalten. Es ist spürbar, wie sie das mit dem „Talk der Woche“ immer noch nervt. Dass sie da hineingeraten ist. So reingedrückt in ein bestehendes Konzept. Sie geht kurz hinaus und zündet sich eine Zigarette an. Fünf, sechs Selbstgedrehte am Tag, das muss erlaubt sein.

Da gibt es ja auch wieder schönere Seiten ihrer Karriere. Was sie ist, was sie kann, was sie gerne macht, zeigt Bettina Rust vor allem in den über 500 Folgen der „Hörbar Rust“, wöchentlich sonntags auf Radio Eins, 14 Uhr, zwei Stunden. In der Sendung spricht sie mit Prominenten wie Ronald Zehrfeld, Bjarne Mädel oder Corinna Harfouch, die auch für die Musikauswahl verantwortlich sind. Hier erzählte Kathrin Sass, wie sie von der Stasi ausgespitzelt wurde, oder Robert Atzorn von seiner überwundenen Alkoholsucht. Alles ganz entspannt, als ginge man gleich zusammen in einen Plattenladen. An diesem Sonntag ist Regisseur Marcus H. Rosenmüller zu Gast.

Die Sendung wurde in unregelmäßigen Abständen abends im RBB als TV-Format ausgestrahlt. Was (leider leider!) nicht mehr passiert. Wo gibt es das noch? Dass man zwei Stunden Zeit hat für einen Gesprächspartner, fragt die Moderatorin. So viel wie in keiner anderen Talksendung in Deutschland. Natürlich findet Bettina Rust nicht alle Gäste gleich sympathisch. „In den ersten fünf Minuten eines Gespräches, wenn ich jemanden nicht kenne, komme ich mir vor wie Gallertmasse.“ Am meisten mag sie es, wenn jemand, den der Hörer vielleicht nicht mag, durch das Gespräch in eine neutrale Zone gerückt wird. „Irgendwann stößt man bei den Leuten immer auf so eine Aussage, die neugierig macht, die sie uns noch näherbringt. Eine Transformation.“ Das sei wie ein Geschenk.

Man hat nicht mehr jeden Tag Sex

Das gilt bestenfalls auch für ihre Fernsehsendung, um 22 Uhr 15 am Donnerstag im RBB. Da radelt sie mit Hund Elli durch Berlin, trifft Inga Busch in Moabit, Daniel Brühl am Maybachufer, Maria Simon in den Prinzessinnengärten am Kreuzberger Moritzplatz oder Oskar Roehler im Schöneberger Kiez. Der Kiez von Bettina Rust, schon seit 16 Jahren. Sie schwärmt von den neuen Seiten der Potsdamer Straße, den Galerien und Cafés hier – wie an diesem schwülwarmen Nachmittag das „103“.

Natürlich wird bei so einem Fernsehformat auch manches Berlin-Klischee bedient. „Ich würde nicht sagen, dass ich verliebt bin in Berlin“, sagt Bettina Rust. Es sei eher wie in einer guten Beziehung: Man hat nicht mehr jeden Tag Sex, weiß aber, was man aneinander hat und möchte nie Schluss machen. „Ich könnte nur hier wohnen. Oder an der Nordsee.“

Hauptsache, Elli ist mit dabei.

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