Stan Laurel & Oliver Hardy : Eine komische Beziehung

Dick, aber nicht doof: Eine Arte-Doku zeigt, wie das Komiker-Duo lebte, liebte und litt. Zu sehen sind bisher unveröffentliche Filmausschnitte, Experten kommen zu Wort und äußern sich auch zur homosexuellen Neigung, die den beiden Männern nachgesagt wurde.

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Dick, aber nicht doof. Oliver Hardy (li.) und Stan Laurel drehten zwischen 1926 und 1951 zusammen 106 Filme und wurden zu einem der bekanntesten Komikerduos der Welt. Foto: ZDF
Dick, aber nicht doof. Oliver Hardy (li.) und Stan Laurel drehten zwischen 1926 und 1951 zusammen 106 Filme und wurden zu einem...

Ganz zum Schluss, kurz vor seinem Tod, da macht er noch mal einige jener prototypischen Gesten, die zu seinem Markenzeichen wurden: Er kratzt sich an seinem (inzwischen recht dünnen) Haarschopf, zieht dabei eine breite Unschuldsmiene, die kein Wässerchen trüben kann und versucht sich mit dem Ellenbogen an einer Tischkante abzustützen, wobei er – natürlich – abrutscht. Die Gesten stammen von Stan Laurel. Die noch nie gezeigten Farbaufnahmen stammen aus dem Jahr 1965. Kurz darauf stirbt er, am 23. Februar 1965 im Alter von 74 Jahren. Sein jahrzehntelanger Partner, Oliver Hardy, ist da bereits acht Jahre tot, er wurde lediglich 65 Jahre alt, als er am 7. August 1957 starb. Gemeinsam sind der Brite Laurel und der Amerikaner Hardy zum weltweit bekanntesten Komikerduo avanciert, zur zeitlosen Legende, zum unsterblichen Mythos.

Über diesen Mythos hat der „Laurel & Hardy“-Experte Andreas Baum nun einen abendfüllenden Dokumentar-Langfilm von 90 Minuten Laufzeit gedreht, „Laurel and Hardy. Die komische Liebesgeschichte von ,Dick und Doof’“, in dem an diesem Mittwoch eine Fülle an unterschiedlichsten – teils unveröffentlichten – Materialien zu sehen ist. Baum, der im hessischen Kassel über eines der größten „Laurel & Hardy“-Archive verfügt, zeigt Ausschnitte aus verschiedenen Filmen des einzigartigen Gespanns, interviewt Filmhistoriker, persönliche Freunde aus dem Umfeld – und, eher unpassend, deutsche Kabarettisten. Am Donnerstag und Sonntag folgen dann auf Arte „Laurel &Hardy“-Abende mit Kurz- und Spielfilmen wie „In Oxford“, „Panik auf der Leiter“, „Die Wüstensöhne“ und ihrem letzten gemeinsamen Film „Atoll K - Laurel & Hardy erben eine Insel“.

Das Duo, das hierzulande über Jahre hinweg unter dem vereinfachenden eingedeutschten Namen „Dick und Doof“ firmierte und seinerzeit von Theo Lingen eingeführt wurde, ergänzte sich perfekt: Laurel war der Kopf, der Denker, der Kreative, und zeichnete, im Abspann nie genannt, oftmals für Co-Regie, Drehbuch, Schnitt und Gags verantwortlich. Während „Babe“ Hardy, im Wortsinne ganz Bauchmensch, sich ausschließlich als Schauspieler begriff und sonst lieber zum Golfen und zu Pferderennen ging. Dem Alkohol wiederum standen sie beide nahe.

Interessant an diesem sehenswerten Dokumentarfilm ist vor allem, dass die beiden Karrieren der Schauspieler Laurel und Hardy ebenso beleuchtet werden wie ihr Privatleben, ihre diversen Ehen, die sie eingingen – Frauenheld Laurel etwa war insgesamt sieben Mal mit vier Frauen verheiratet –, und das Verhältnis, dass die beiden Komiker untereinander hatten. So wurde ihnen ob ihrer nahezu drei Jahrzehnte umspannenden engen Zusammenarbeit in insgesamt 106 Filmen, davon sind 79 Kurzfilme, und 27 Langfilme, eine homosexuelle Neigung unterstellt, die jedoch von allen im Film vor laufender Kamera befragten Experten verneint wird, da allein schon die diversen Eheschließungen dagegen sprächen.

Ihre Freundschaft, die erst im Laufe der Jahre enger und vertrauter wurde, sei von tiefem Respekt füreinander geprägt, darin sind sich alle Anhänger und Experten einig. Der Untertitel der Doku mag just in diesem Kontext daher ein wenig irreführend wirken. Auch gelingt es Filmautor Baum, die 84-jährige Lois Laurel-Hawes, Laurels Tochter aus erster Ehe, für ein rares Interview vor die Kamera zu bekommen. Darin gibt sie über ihren berühmten Vater Auskunft, bei sich Zuhause auf dem Sofa sitzend, so zierlich, dass sie beinahe darin versinkt, daneben auf einem Tischchen stehend eine Schwarz-Weiß-Fotografie ihres Vaters im Silberrahmen. Das hat etwas sehr Rührendes.

Und zuletzt diese wunderbare Schlusssequenz mit Privataufnahmen, in der der sichtlich gealterte Stan Laurel noch einmal den „Stanley“ gibt. In diesen seltenen Farbbildern liegt etwas sehr Trauriges, und zugleich etwas sehr Tröstliches. Wie ihn, wie es im Off-Kommentar heißt, namhafte Kollegen besuchen – von Jerry Lewis bis zu Alec Guinness – und Laurel sich dabei immer gewundert und gefragt haben soll, warum denn solch große Namen ihn bloß aufsuchen würden. Wie sympathisch.

„Laurel and Hardy. Die komische Liebesgeschichte von ,Dick & Doof’“, Mittwoch, 20 Uhr 15; „Laurel & Hardy - In Oxford“, Donnerstag, 20 Uhr 15; „Die Wüstensöhne“, Sonntag, 20 Uhr 15; alles auf Arte

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