Medien : Stars und Schneider

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Tom Peuckert verrät,

was Sie nicht verpassen sollten

Weihnachten ist nicht der richtige Moment für Bescheidenheit. Die Erwartungen sind groß und die Geschenke teuer. Im Fernsehen laufen TopMega-Filme, und nun will auch das Kulturradio zeigen, dass ein Löwe in ihm steckt. Zeit für Stars und große Stoffe. Etwa für J.R.R. Tolkiens berühmte Saga „Der Herr der Ringe“, die als vierzehnstündiges Radioepos auf unsere Ohren nieder geht. Eines der aufwändigsten Unternehmen der Hörspielgeschichte, wie die Produzenten stolz anmerken. Prominente Darsteller, große Chöre, akustische Zaubereien am Fließband. Wer schon im Kino war und Weihnachten trotzdem zwischen Hobbits und Elben verbringen möchte, darf sich reich beschenkt fühlen (Deutschlandfunk, Teil 1 am 24. Dezember, 14 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

„Baudolino“ heißt eine der fabelhaften Epochengeschichten aus der Feder des italienischen Semiotikprofessors Umberto Eco. Ein groß angelegter Schelmenroman, der quer durch das dramatische Mittelalter führt. Fantasy und Philosophie in reizvoller Symbiose. Es gibt viel zu lachen und noch mehr zu lernen. Baudolino, Ecos Hauptfigur, ist Hochstapler und Globetrotter. Ein Mann, der die Mächtigen seiner Zeit aus intimer Nähe erlebt. Angeblicher Adoptivsohn des Kaisers Barbarossa und heimlicher Geliebter der Kaiserin Beatrix. Erfinder eines utopischen Paradieses weit hinter dem Nil. Während die Gegenwart im Nebel der Indifferenz versinkt, erzählt Eco von einer Vergangenheit voll fiebriger Träume und entschlossener Leidenschaften. Ein tolles Hörspiel in vier langen Teilen (SWR 2, 25./26./29. Dezember und 1. Januar, jeweils 16 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Radio Kultur dagegen wagt sich ins Dickicht der Legenden, das um die Berühmtheiten der jüngeren Zeitgeschichte wuchert. „Romy Schneider. Ein Historical“ nennt Hans-Dieter Herbig seine dramatische Auseinandersetzung mit der Biografie einer Kinoheldin. Romy war Sexsymbol und Mater dolorosa, Ikone und Opfer. Herbigs Historical erzählt von schwierigen Müttern und komplizierten Männern, von den Abgründen des Ruhms und der zerstörenden Kraft grenzenloser Schauspielerei (27. Dezember, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

Nicht weniger dramatisch und beinahe ebenso kurz war das Leben der Maria Callas. Eine Figur, die sich im Jahrhundert geirrt hatte. Lodernd, romantisch, überdimensional. So beschreibt Claudia Wolff in ihrem Feature „Die Callas“ die Existenz der großen Sängerin (Radio Kultur, 25. Dezember, 14 Uhr 05) Wer aber mehr über den genialen Poeten Ringelnatz und seine Geschöpfe erfahren will, der höre Wolfgang Knapes schönes Feature „Ich komme und gehe wieder“ (Radio Kultur, 26. Dezember, 14 Uhr).

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