Stasi-Debatte : Die „taz“, das Aids-Virus und die Stasi

Die Berliner „tageszeitung“ betrieb am Sonnabend bemerkenswerte Aufklärung nicht nur in eigener Sache.

„Die Stasi in der taz – wie der DDR–Geheimdienst Spitzel bei der taz anwarb und eine Lüge ins Blatt brachte: Der Aids-Virus als Erfindung der USA.“ Mit diesen Schlagzeilen auf Seite eins betrieb die Berliner „tageszeitung“ am Sonnabend bemerkenswerte Aufklärung nicht nur in eigener Sache. Im „Sonntaz“-Buch auf zwei Seiten die ganze Geschichte. Am 18. Februar 1987 erschien in der „taz“ ein Interview des Schriftstellers Stefan Heym mit dem Biologen Jakob Segal. Überschrift: „Aids. Man Made in USA“. Die These: Das Virus, das für den Zusammenbruch des menschlichen Immunsystems verantwortlich ist, sei in einem CIA-geführten Labor in Fort Detrick „gezüchtet“ und in die Welt gebracht worden. Die Behauptung schlug damals in der bundesdeutschen Linken ein wie eine Bombe, wie die an der Publikation beteiligten Redakteure heute sagen. Endlich hätte man nicht nur eine schlimme Krankheit gehabt , die zu einer Epidemie auszuwachsen drohe, sondern einen Schuldigen: die USA mit ihrem damaligen Präsidenten Ronald Reagan an der Spitze, so „taz“-Redakteur Jan Feddersen, der den neuen Artikel zusammen mit dem Spezialisten für Geheimdienstfragen Wolfgang Gast verfasst hat. Aktenfunde und Aussagen von Ex-Stasimitarbeitern hätten belegt: Die Kampagne in Sachen Aids war von KGB und Stasi eingefädelt. Ob Stefan Heym eingeweiht gewesen ist, sei nicht mit letzter Gewissheit beweisbar, aber naheliegend. Die „taz“ trage Mitverantwortung für all die Folgen, die die Verwirrung um die Segal-These mit sich brachte, lässt sich Ex-„taz“ler Kuno Kruse zitieren. In Afrika weigern sich etliche Staatsführungen, auch die Südafrikas, eine präventive Politik in Sachen Aids zu unterstützen. meh

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