Medien : Stasi-Fall bei „Bild“

Berliner Sportredakteur war als IM „Richard“ registriert

Robert Ide

In der Sportredaktion der „Bild“-Zeitung gibt es erneut Aufregung um einen Stasi-Fall. Der Fußball-Journalist Klaus Feuerherm, der im Berliner „Bild“-Büro zuständig für die Berichterstattung über Hertha BSC ist, war beim Ministerium für Staatssicherheit als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) registriert. Nach Unterlagen aus der Stasi-Akten-Behörde, die dem Tagesspiegel vorliegen, wurde Feuerherm unter dem Decknamen „Richard“ geführt. Vor seiner Verpflichtung als IM im Mai 1989 war er bereits mehrere Jahre Informant für Erich Mielkes Ministerium.

In seinen Berichten hatte Feuerherm Spieler des mehrfachen DDR-Fußballmeisters BFC Dynamo, dessen Chef Mielke war, denunziert und über „Landesverrat“ von Athleten und Trainern berichtet, die die DDR verlassen hatten. Nach Informationen des „Deutschlandfunk“ und des „Spiegel“ erhielt Feuerherm von der Stasi regelmäßig Geld. Dabei soll es sich um mindestens 1700 Mark gehandelt haben – darunter 300 Mark für den Einsatz im Auftrag der Auslandsspionage während der Fußball-WM der Junioren im Februar 1989 in Saudi-Arabien.

Feuerherm bestreitet die Zusammenarbeit mit der Stasi. „Ich habe keine Verpflichtungserklärung unterzeichnet und keine Berichte geschrieben“, sagte er dem Tagesspiegel. In den Stasi-Akten heißt es über das Werbungsgespräch mit Feuerherm: „Auf die konkrete Frage der Bereitschaft zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS gab der VA-IM ohne Zögern seine Zustimmung.“

Feuerherm war zu DDR-Zeiten Sportredakteur bei der „Jungen Welt“, dem Organ des Jugendverbandes FDJ. Nach der Wende wurde er von der „Bild“-Sportredaktion übernommen. Erst 1999 hatten zwei Stasi-Fälle bei der „Bild“-Zeitung für Schlagzeilen gesorgt. Der Reporter Manfred Hönel und der stellvertretende Chefredakteur Klaus-Dieter Kimmel mussten nach der Enthüllung ihrer Stasi-Tätigkeit den Verlag verlassen. Wie Feuerherm hatten beide zu DDR-Zeiten für die Sportredaktion der „Jungen Welt“ gearbeitet.

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