Medien : Stefan Raab kann nur – beleidigen

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Frau Frohloff, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Die aufgeregte öffentliche Debatte über Gratis-Kitas. Zwar kann man froh sein, dass Politik und Medien das äußerst vernachlässigte Thema frühkindliche Bildung endlich aufgreifen. Doch die Diskussion geht am Kern vorbei: Viel problematischer noch als die Kita-Gebühren, die vielerorts nach Einkommen gestaffelt werden, sind andere Dinge. Erstens: Es herrscht nach wie vor ein dramatischer Mangel an Kindertagesstätten, vor allem an solchen, die Kinder unter drei Jahren aufnehmen, und zweitens: Die Qualität vieler Kindergärten und die Ausbildung von Erziehern lässt oft sehr zu wünschen übrig. Was nützt eine Befreiung von der Kitagebühr, wenn das Kind entweder gar keinen Platz findet oder aber in einer Kita unterkommt, in der es zwar versorgt, aber zu wenig gefördert und gefordert wird?

Gab es auch etwas, worüber Sie sich gefreut haben?

Wenn es bei einem Streit am Ende nur Gewinner gibt, dann muss man wohl gratulieren: Ein Gericht legte Stefan Raab vergangene Woche die Zahlung von 20 000 Euro Schmerzensgeld an eine 29-jährige Frankfurterin auf, die er bei „tv total“ als Drogendealerin beleidigt hatte – und alle Beteiligten sind happy. Die junge Frau, weil ihr Genugtuung widerfuhr. Die Justiz, weil sie dem Recht zum Durchbruch verhalf. Der Sender Pro7, weil er dank Raab in den Schlagzeilen war. Und Raab selbst, weil er nicht nur um 130 000 Euro billiger davonkommt als in der ersten Instanz, sondern auch, weil er mit seinen unaufhörlichen, medienwirksam inszenierten Beleidigungen bald ins Guinessbuch der Rekorde kommen dürfte: als höchstbestrafter notorischer Beleidiger.

Astrid Frohloff ist Fernsehmoderatorin, Vorstandssprecherin von „Reporter ohne Grenzen“ und zweifache Mutter.

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