Medien : Steffi Grafs Mercedes

Das Internet-Auktionshaus Ebay erhält ein Magazin

Daniel Häuser

Als Timm Klotzek und Michael Ebert im vergangenen Jahr im Berliner Hauptquartier der Versteigerungsplattform Ebay anklopften, hatten die beiden Chefredakteure der Zeitschrift „Neon“ mit viel Gegenwind gerechnet. Schließlich kamen sie mit einem frechen Vorschlag in die Hauptstadt: Sie wollten für den Auktionsriesen ein Magazin machen, für das sie Unterstützung brauchten, aber die redaktionelle Unabhängigkeit wahren wollten. So eine Verknüpfung eines Print-Titels mit einer Internetmarke gab es im Bereich der Publikumszeitschriften noch nie. Und mit dem Heft „Seller“ hatte Ebay bereits ein eigenes Magazin für professionelle Verkäufer.

Doch die Ebay-Geschäftsführung ließ sich von der Idee eines Magazins für Käufer überzeugen. Schließlich saßen da vor ihnen die Macher des Magazins „Neon“, einer der erfolgreichsten Zeitschriften der letzten Jahre. Fortan entwickelten die beiden Gruner + Jahr-Talente das Heft über ein Jahr lang. Am Freitag kommt das „Ebay-Magazin“ zum Preis von 2,50 Euro an den Kiosk. Die Münchner Kreativschmiede lehnt sich inhaltlich nicht direkt an ihr Erfolgsprodukt „Neon“ an. Dennoch ist dessen Spirit auf vielen Seiten zu entdecken. „Wir wollen mit dem ,Ebay-Magazin’ zeigen, dass glaubwürdig gemachte Printmagazine, die internetinteressierte Menschen ansprechen, eine ganz große Chance haben“, sagt Herausgeber Timm Klotzek.

Redaktionsleiter Fabrice Braun, den Klotzek aus gemeinsamen Zeiten beim „Jetzt“-Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ kannte, hat ein recht unterhaltsames erstes Heft vorgelegt. Der Schwerpunkt liegt auf netten Geschichten des Alltags, die für jeden Ebay-Interessierten spannend sein dürften. So hat der begeisterte Motorradfahrer Braun ausgefallene Auktionen festgehalten: zum Beispiel den erfolglosen Versuch, den alten Mercedes der Tennislegende Steffi Graf zu versteigern. Ebenso interessant zu lesen ist eine Reportage über eine mexikanische Familie, die versucht, mit Ebay der Armut zu entkommen. Deutlich erkennbar ist das Bemühen, auch nach außen eine Unabhängigkeit zum Auktionshaus zu wahren. Gleich in der ersten Ausgabe gibt es die Story „Was andere Online-Marktplätze besser machen“. Seitenlange Abhandlungen zu Software- oder Hardwareinstallationen sucht man im „Ebay-Magazin“ vergeblich. Es gibt höchstens Einsteigerthemen für Internetneulinge. In einfachen Worten wird erklärt, wie man über das Internet telefonieren kann.

So ganz ohne Beistand von Ebay kommt das Magazin nicht aus. Natürlich gibt es trotz der vielbeschworenen Unabhängigkeit eine redaktionelle Zusammenarbeit. „Aber das ist kein Kundenmagazin“, betont eine Sprecherin von Ebay. „Wir begrüßen das neue Magazin als informatives und unterhaltsames Angebot für unsere Community.“ Ebay selbst unterstützt die erste Ausgabe mit einer großen Aktion. Auf der Startseite von Ebay.de läuft eine großformatige Banner-Werbung für das Magazin. Bislang hat Ebay nach eigenen Angaben noch nie für ein Produkt auf seiner Homepage geworben. Kein großes Getöse begleitet das Heft zum Launch, der Großverlag Gruner + Jahr lässt mit einer kleineren Marketingkampagne nur ein wenig die Muskeln spielen. Die Garantieauflage von rund 130 000 Heften für das vierteljährlich erscheinende Heft wirkt auch wenig spektakulär. Doch erwartet man verlagsintern eine verkaufte Auflage von bis zu 180 000 Exemplaren, vorsorglich werden sogar 400 000 Hefte gedruckt. Alles scheint möglich. Bei einem Erfolg soll das „Ebay-Magazin“ in andere Länder exportiert werden. Wenn Gruner + Jahr Erfolg mit dieser neuen Form der Heft-Kooperation hat, stehen Nachahmer sicher in den Startlöchern. Online-Unternehmen wie Amazon, Xing oder Google haben hierzulande bislang auch noch keine Printableger.

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