Medien : Stellenabbau bei Springer befürchtet - Konzernführung entscheidet im September

Ulrike Simon

Eine große Angst lähme das Haus, klagt Monika Kabay, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei Axel Springer. Seit Monaten durchforsten die Unternehmensberater von Roland Berger Abteilung für Abteilung, vom Botendienst über die Buchhaltung bis zum Controlling. Insgesamt wurden die Daten von 1200 Arbeitsplätzen erhoben. Das Misstrauen der Mitarbeiter ist groß und wurde auch nicht dadurch gemindert, dass manche Frage der Berger-Leute von wenig Sachkenntnis über die Abläufe in einem Verlag geprägt waren.

Die Konzernführung hat die Beratungsfirma engagiert, um alle Verwaltungs- und Servicebereiche auf Effizienz zu überprüfen. Zum Vergleich zieht Berger Daten anderer Firmen heran. Die Untersuchungen sind mittlerweile abgeschlossen und ausgewertet. Derzeit erarbeitet Berger Verbesserungsvorschläge. Einige davon sickerten durch und mischten sich mit Gerüchten. Demnach seien bis zu 400 Arbeitsplätze gefährdet; einige Bereiche sollen halbiert, andere ausgegliedert, wieder andere von Hamburg nach Berlin verlagert werden. Der Betriebsrat drängt auf Klarheit und initiierte ein Gespräch, bei dem keine Antworten, aber auch kein Dementi herauskam. Jetzt wandte sich der Betriebsrat an die Mitarbeiter. In Mails und auf Aushängen erinnert er an die „Jubelberichte des Vorstands“ zum Geschäftserfolg: „Wir finden, es ist weder sozial noch moralisch vertretbar, die Arbeitsplätze von Kolleginnen und Kollegen, die zum Erfolg des Hauses beigetragen haben, in Frage zu stellen.“

Auch die Abteilung von Edda Fels, Sprecherin des Springer-Verlags, ist von der Verwaltungsanalyse betroffen. Sie bestätigt, dass nach Auswertung der Ergebnisse „Personalanpassungen“ denkbar sind. Allerdings behalte sich der Vorstand um den Vorsitzenden Mathias Döpfner und den für die Finanzen zuständigen Steffen Naumann vor, ob und welche der Berger-Vorschläge für sinnvoll erachtet und umgesetzt werden. Zunächst würden Gespräche mit den jeweiligen Bereichsverantwortlichen geführt. „Entscheidungsreif“ wolle man im September sein. Betriebsbedingte Kündigungen schließt Springer nicht aus, sollen aber wie in der Vergangenheit vermieden werden.

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