Medien : Stimmen hören

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Tom Peuckert verrät, was

Sie nicht verpassen sollten

Wer eine schöne Stimme hat, macht sich bei der Mitwelt angenehm. Wer eine besonders schöne Stimme hat, kann damit sein Brot verdienen. Als Synchronsprecher etwa. Wenn die Stimme dann noch das unverwechselbare Etwas besitzt, macht sie ihren Inhaber sogar berühmt. Wir reden hier von Christian Brückner. Der Mann, der Robert de Niro synchronisierte und sich damit ins kollektive Unterbewusste des deutschen Kinopublikums einschlich. Eine Stimme voll ironischer Musik und animierender Coolness. Brückner hat in unzähligen Filmen und Radiosendungen gesprochen, dafür bekommt er nun ein literarisches Denkmal. Denn die Hauptfigur in Frieder Faists Hörspiel „Asynchron“ ist ein deutscher Schauspieler. Die Synchronstimme eines Kinostars aus Hollywood. Der Amerikaner ist ein Stimmwunder, sein akustisches Double versucht auch eines zu sein. Ein Hörspiel über begabte Stimmen und die Untiefen sprecherischer Berufsarbeit. Ein Text, der Christian Brückner auf den Leib geschrieben ist. Oder besser: auf die rauchgekühlte Stimme (Deutschlandradio, 29. Februar, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Auch der saarländische Schriftsteller Alfred Gulden besitzt eine außergewöhnliche Stimme. Gulden schreibt Romane, zuvor hat er Sprechwissenschaft studiert und als Sprecherzieher gearbeitet. Ein Kapital, mit dem er nun bei Lesungen wuchert: als Vokalmusiker und Wortakrobat. Im Studio hat Gulden aus einem seiner Romane gelesen, musikalisch assistiert vom Posaunisten Christof Thewes. Das Hörstück „Die kleine Maghrebinierin“ beweist, dass sowohl Guldens Stimme als auch Thewes’ Posaune hochexpressive Instrumente sind. Wir hören Literatur, die groovt. (Kulturradio, 5. März, 22 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Mehr zum Thema im Feature „Wer den Ton angibt“ . Wer spricht, sagt nicht nur Worte. Sein ganzer Körper klingt mit. Die Stimme als verräterischer Resonanzraum. Natalie Kümpel und Frank Petersen über ein komplexes Zeichensystem (Deutschlandfunk, 5 März, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Weil Stimme und Erotik so eng zusammen gehören, sei hier noch Richard Reschikas schöner Essay „Verbot und Übertretung“ empfohlen. Es geht um Georges Bataille, den französischen Radikalphilosophen des Erotischen. Ein Mann für ebenso gedankentiefe wie schrille Töne (SWR 2, 1. März, 21 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

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