Medien : Stoiber hat dazugelernt

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Boulevard Bio. ARD. Warum also will Edmund Stoiber Kanzler werden? Weil er dem „Vaterland, wenn ich mal so sagen darf, mithelfen“ möchte. Stoiber bei Bio, zusammen mit Tochter Constanze – das war am Dienstagabend das Gegenprogramm zu Gerhard Schröders Auftritt in derselben Talkshow vor ein paar Wochen. Der Kanzler hatte als Begleiter Günter Grass, der viel rotgrüne Propaganda und ein wenig Lafontainesche Kritik von links übte. Stoiber gab den gelernten Liberalen, den bedächtig Abwägenden, und seine Tochter, Rechtsanwältin mit zwei kleinen Kindern, war die fleischgewordene Illustration all der neuen Einsichten, die Stoiber seit den 70er Jahren gewonnen hat.

Als da sind: neue Lebensformen, Abtreibung, berufstätige Mütter aus freien Stücken, gleichgeschlechtliche Paare. „Dann wäre ich ja reaktionär“, entfuhr es dem Unions-Kandidaten. Dann nämlich, wenn er nichts dazugelernt hätte. Hat er aber. So umarmte der CSU-Chef stattdessen die Begriffe „Empfindungen“ und „Befindlichkeit".

Mit der souveränen Lockerkeit eines Schröders klappte es nicht so richtig, auch weil ein anfangs unkonzentrierter Biolek zweimal die Frage nach dem Alter der Stoiber-Enkel stellte und sich auf programmatische Differenzen einschoss.

Danach unterbrach er oft, was Stoiber in erstaunlich defensiver Manier zuließ. Lockerer wurde das Gespräch erst, als Stoiber zu einer möglichen Rolle Jürgen Möllemanns befragt wurde. „Ich will der Weisheit der FDP keine Grenzen setzen“, erklärte sich der Kandidat. Klartext: Die werden schon wissen, was sie mir lieber nicht zumuten. Biolek beschwerte sich, zu politisch-unklar sei ihm die Antwort. Stoiber entgegnete: „Ich habe mich sehr, sehr undeutlich deutlich ausgedrückt.“ Ein fürwahr schöner Satz.

Das Fazit des Abends: Der Kandidat kann sich in Versatzstücke seiner Parteitagsreden flüchten – souverän improvisieren kann er nicht, länglich und nicht uncharmant nachdenken aber allemal. Anders gesagt: Er wird besser. Robert von Rimscha

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