Medien : Streichkonzerte

ARD und ZDF rechnen schon, wo gespart wird

Till Frommann/Kathrin Schich

Als die Ministerpräsidenten kürzlich eine Erhöhung der Rundfunkgebühren um 88 Cent auf 17,03 Euro zum kommenden April verkündeten, ging ein Aufschrei durch die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten: Wer soweit unter dem Vorschlag der Gebührenkommission bleibe (die eine Erhöhung um 1,09 Euro gefordert hatte), der mute ARD und ZDF Ausfälle von 350 Millionen Euro in der vierjährigen Gebührenperiode zu – Einsparungen seien daher unvermeidlich. Jetzt beginnt in den einzelnen Anstalten das Rechnen, wo wie viel gekürzt werden kann. Ende des Jahres sollen die „Streichlisten“ präsentiert werden.

Die ARD-Anstalten wollen vor allem an Medienpartnerschaften und Engagements im Kulturbereich sparen. Der BR hat schon verkündet, dass sein Rundfunkorchester zum Saisonende 2005/2006 aufgelöst wird. Die 71 Musiker kämen im BR-Sinfonieorchester unter, sagt Sprecher Rudi Küffner. Eine Fusion beider Klangkörper war zuvor abgelehnt worden. An den Programmen will der BR allerdings ebenso wenig sparen wie am Personal. „Es wird ohne Entlassungen und Einstellungsstopp gehen“, sagt Küffner.

Anders sieht es beim MDR aus, dort werden schon jetzt frei werdende Stellen nicht mehr nachbesetzt. Man überlege derzeit auch, sich aus allen Sponsoring-Verträgen bei Kulturfestivals herauszuziehen, kündigt Sprecher Eric Markuse an. „Wir rechnen ganz leidenschaftslos. Mit einem Racheakt hat das nichts zu tun.“ Bereits vor zwei Jahren hatte der MDR das Sinfonieorchester mit der Kammerphilharmonie zusammengelegt. Bis 2010 werden die aktuell 125 Planstellen für die Musiker auf unter 120 reduziert. Am Programm soll zuletzt gespart werden, vorher würde noch die Marketingabteilung des Senders abgespeckt, so Markuse. Auch beim SWR wird schon gerechnet: Der Ausstieg aus dem Institut für Rundfunktechnik in München zum Saisonende 2005/06 ist beschlossen, ebenso der Rückzug aus der Schule für Rundfunktechnik in Nürnberg. Außerdem denkt Intendant Peter Voß über eine Zusammenlegung vom SWR-Rundfunkorchester Kaiserslautern mit dem SR-Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken nach. Erst im Sommer hatten beide Sender einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Die Finanzierung der Bayreuther Festspiele stehe ebenfalls auf dem Prüfstand – eine Aktivität, die Voß als „freiwillige Leistung für die Kulturlandschaft“ bezeichnet. Künftig werde man sich wieder mehr auf den eigentlichen Auftrag Information, Bildung und Unterhaltung konzentrieren. Mit weniger Mitarbeitern: Beim SWR steht ein Personalabbau an.

Der RBB will bis 2008 etwa 300 Stellen streichen, die Entscheidung sei schon in diesem Sommer gefallen und hätte mit den Gebühren nichts zu tun, sagt Sprecher Ulrich Anschütz. Vielmehr soll der gemeinsame Sender für Berlin und Brandenburg neu strukturiert werden: „Es ist nicht so, dass bei uns jetzt Katastrophenstimmung herrscht. Wir sehen das Ganze eher als Chance, künftig wirtschaftlicher arbeiten zu können.“ Das Programm bleibe vorerst unangetastet, nur müsse man bei Produktionen sparsamer haushalten.

Bei NDR und WDR will man über Streichpositionen noch keine Auskunft geben. Auch das ZDF bleibt wortkarg. In den nächsten Jahren würden rund 300 Stellen eingespart, „quer durch die Bank alles“, wie Sprecher Walter Kehr sagt. Der Sender in Mainz werde verschlankt, „obwohl wir schon bis aufs Skelett abgemagert sind“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben