Streit um Küchen-Szene : Kein Schreibverbot für Prantl bei der SZ

01.08.2012 00:00 Uhrvon und
In der Kritik: Heribert Prantl, bekannter Autor der „Süddeutschen Zeitung“.Foto:picture alliance Foto: picture alliance / ZB
In der Kritik: Heribert Prantl, bekannter Autor der „Süddeutschen Zeitung“.Foto:picture alliance - Foto: picture alliance / ZB

Edelfeder Heribert Prantl beschrieb für ein Porträt eine Szene, die er selbst gar nicht erlebt hatte - und sorgte damit für Entrüstung in der Branche. Nach einer Entschuldigung auf der Seite Drei der „Süddeutschen Zeitung“ stellen sich Fragen zum Wesen der Reportage.

Fast könnte die kleine Spalte übersehen werden, die die „Süddeutsche Zeitung“ am Dienstag auf ihrer Seite Drei druckte. Eine 17 Zeilen lange Entschuldigung „In eigener Sache“, eine Entschuldigung für einen Text, den Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik und Mitglied der Chefredaktion, am 10. Juli auf der gleichen Seite veröffentlichte. Prantl hat mit dem Stück die Debatte über den Anspruch von Reportagen neu entfacht.

Unter dem Titel „Der Verfassungsschützer“ hatte er den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, porträtiert. Prantl beschrieb eine Szene in Voßkuhles Küche, die er selbst gar nicht erlebt hatte.

„Bei dieser Schilderung konnte der Eindruck entstehen, Prantl sei selbst Gast im Hause Voßkuhle gewesen. Das war nicht der Fall. Der Autor hat sich die Szene vielmehr von Teilnehmern der Küchenrunde schildern lassen, ohne dies ausdrücklich kenntlich zu machen“, schrieb die „SZ“ nun. Und weiter: „Die Redaktion bedauert diesen Fehler.“

Am vergangenen Donnerstag hatte Voßkuhle dem Tagesspiegel mitteilen lassen, dass Prantl niemals in seiner Küche gewesen sei. Danach war Prantl, einer der wichtigsten und bekanntesten Leitartikler und Autoren der „SZ“, massiv in die Kritik geraten. Am Montag unterbrach er seinen Urlaub, um sich in der Redaktionskonferenz der „Süddeutschen“ zu entschuldigen. „Heribert Prantl hat einen gravierenden Fehler gemacht, diesen eingeräumt und sich dafür entschuldigt“, sagte Wolfgang Krach, stellvertretender „SZ“-Chefredakteur. „Die Szene war ja nicht falsch. Prantl hätte in einem einzigen Satz erwähnen müssen, dass ihm die Küchen-Szene von mehreren Menschen, die vor Ort waren, authentisch geschildert wurde.“

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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