Streit um Talkgast bei "Günther Jauch" : Jauch drohte wohl schon 2014 mit Kündigung

Der Rückzug von Günther Jauch aus dem TV-Talk schien friedlich. Doch laut "Spiegel" gab es Spannungen zwischen Jauch und dem NDR. Anlass war demnach ein Disput über Jauchs Anwalt, der als Gast kommen sollte.

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Mann im Abgang: Günther Jauch
Mann im Abgang: Günther JauchFoto: dpa

Alles sah nach einer friedlichen Trennung zwischen Günther Jauch und der ARD aus. Seine Talkshow endet Ende 2015, dafür kehrt Anne Will auf den Sonntagsplatz um 21 Uhr 45 im Ersten zurück. Jauch lehnte die angebotene Vertragsverlängerung aus privaten und beruflichen Gründen ab.

Die beruflichen Gründe dürften auch mit dem für den ARD-Talk verantwortlichen Norddeutschen Rundfunk zusammenhängen. Die Zusammenarbeit war nicht immer spannungsfrei, seit diesem Freitag darf das Verhältnis als belastet gelten. "Der Spiegel" berichtet in seiner neuen Ausgabe, dass Jauch bereits im April 2014 mit seiner Kündigung gedroht haben soll.

Streit um Jauchs Anwalt

In dem Schreiben beklage sich der Moderator über Eingriffe in seine journalistische Unabhängigkeit und kritisiere das fehlende Vertrauen seitens der ARD. Zum Disput war es über die Gästeauswahl für eine "Günther Jauch"-Ausgabe im Nachgang zu dem Skiunfall von Michael Schumacher gekommen. Es sollte über den Umgang der Medien mit Prominenten diskutiert werden.

Jauch und seine Redaktion wollten dafür Christian Schertz einladen. Der Berliner Medienanwalt vertritt zahlreiche Persönlichkeiten, darunter Thilo Sarrazin, die frühere ARD-Sonntagsabend-Talkerin Sabine Christiansen, Maria Furtwängler, Dieter Wedel - und auch Günther Jauch.

Der NDR monierte, dass Moderator Jauch und Anwalt Schertz sich in der Talkshow nicht unbefangen begegnen könnten, da sie doch zugleich Mandant und Anwalt seien. Jauch habe sich "unbelehrbar" und "uneinsichtig" gezeigt, erinnert man sich beim NDR, wie der "Spiegel" berichtet. Jauch zog dann die Einladung zurück und schickte seinen Brief mit Ankündigung seiner Kündigung an den NDR.

Schertz arbeitet auch für den Tagesspiegel

Christian Schertz arbeitet auch als Anwalt für den Tagesspiegel. Zu wichtigen medienrechtlichen Fragen wird er von der Medienredaktion befragt und interviewt. Seine Expertise hat er in ARD-Talkshows wie "Anne Will" und "Beckmann" vermittelt, bei "Maybrit Illner" und "Markus Lanz" war er ebenfalls schon mehrfach zu Gast. Jauch und der NDR wollten die Zusammenarbeit professionell zu Ende bringen. Nach der Indiskretion des ARD-Senders kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Agreement auf öffentliches Schweigen zu Bruch geht. Am Sonntag will Jauch über das Thema "Grexit - Katastrophe oder Chance für den Neuanfang?" Kann man auch persönlich verstehen.

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