Studie : Zusammen statt nur allein

Heranwachsende, die das Internet und Social-Web-Seiten wie StudiVZ nutzen, greifen auch noch auf andere Medien zurück.

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Favorit. Das Videoportal Youtube steht bei Jugendlichen hoch im Kurs.Foto: ddp

Die Nutzung des Internets durch die junge Generation geht nicht zwangsläufig auf Kosten der etablierten Massenmedien. Das ist das Ergebnis einer am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellten Studie des Hamburger Hans-Bredow-Instituts und der Universität Salzburg. Demnach gebe es nach der repräsentativen Befragung von 650 Heranwachsenden zwischen 12 und 24 Jahren keine Hinweise darauf, dass eine höhere Nutzung des Internets zu einem geringeren Interesse für etablierte Medien führe. Wer sich an Online-Communitys wie SchülerVZ oder StudiVZ beteiligt, der nutzt auch Zeitungen, Zeitschriften und MP3-Player. Eine negative Korrelation gebe es dagegen nur zwischen Online-Communitys und Offline-Spielen.

„Das Muster des Umgangs mit den Medien der öffentlichen Kommunikation erstreckt sich auch auf das ,Social Web‘“, sagte Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut. Wer nach Informationen suche, komme auf den Gedanken, sowohl Wikipedia zu nutzen als auch Zeitungen. „Es gibt keine getrennten Welten“, und die Jugendlichen und Heranwachsenden würden sich bei der Mediennutzung nicht wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde verhalten. Allerdings bestätigte die von der Düsseldorfer Landesanstalt für Medien (LfM) in Auftrag gegebene Studie die zunehmende Bedeutung des Internets für Heranwachsende. Täglich verbringen die 12- bis 24-Jährigen zwei Stunden pro Tag im Internet, was in etwa der Fernsehdauer entspreche. Besonders häufig (69 Prozent) wird neben den Community-Seiten auch das Internet-Messaging (ICQ, MSN) genutzt. An dritter Stelle folgt das Abhören von Musik- und Sounddateien (58 Prozent).

Nach den Lieblings-Websites gefragt, steht bei knapp einem Drittel Google ganz oben auf der Liste. Bei den 12- bis 17-Jährigen hat Schueler VZ die Nase vorn. Das „Social Web“ – diesen Begriff verwenden die Wissenschaftler für „Web 2.0“ – sei vor allem eine Angelegenheit der 15- bis 17-Jährigen. Während etwa Schueler VZ insgesamt von 39 Prozent mindestens einmal pro Woche aufgesucht wird, sind es in dieser Altersklasse 66 Prozent. Noch häufiger als Community-Seiten werden insgesamt nur Youtube (70 Prozent) und Wikipedia (55 Prozent) angeklickt. Die meisten Heranwachsenden würden das „Social Web“ nutzen, um Kontakte und Freundschaften zu pflegen. Nur wenige, vor allem formal höher gebildete, sind auch kreativ, stellen eigene Musikdateien ins Netz.

Die Wissenschaftler fordern von den Anbietern „größtmögliche Transparenz“. Die Nutzer müssten frei entscheiden können, ob ihre Daten für andere Zwecke zur Verfügung gestellt werden sollen. Auf diese Möglichkeit, auch Nein sagen zu können, müssten sie unbedingt aufmerksam gemacht werden, forderte Hasebrink. Die Profile von Minderjährigen sollten bei den Communitys automatisch als „privat“ eingestuft werden. tgr

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