Stylingshow mit Bruce Darnell : ''Ich bin sauer!''

Mit einer Kandidatin, deren Problem man nicht so recht verstehen will, längst gehörten Plattitüden aus dem Munde Bruce Darnells und verklärter Musik - so präsentiert sich das neue Vorabendformat im Ersten. Von frischem Wind im Quotentief ist da reichlich wenig zu spüren.

Susanna Gotsch
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Bruce Darnell: Gute Unterhaltung sieht anders aus. -Foto: dpa

Eins muss man ihm lassen, perfekt gestylt ist der Ex-Juror aus Heidi Klums "Germany’s Next Topmodel" Bruce Darnell immer: Mit blütenweißem Hemd, blank polierten Schuhen und lässig federndem Schritt springt er durch sein modernes Loft. Auf dem Sofa warten schon Stylistin Katja Will und Visagistin Anne Pleli - der erste Fall steht an. Gebannt schauen die Drei auf die Videobotschaft.

Kristina ist 22 Jahre, Wirtschaftsstudentin und findet sich extrem hässlich. Sofort steigt Verwunderung auf. Diese zierliche, hübsche Blondine findet sich hässlich? Niemals! Niemals kann diese junge Frau mit ihrem Aussehen unzufrieden sein! Bruce währenddessen hört aufmerksam zu, sagt "Sie ist so schön, sie sieht verdammt sehr gut aus." Kullert da etwa schon eine kleine Träne aus dem linken Auge? Er will dem "Baby" helfen. Klar, dafür ist er ja da.

Bruce besucht Kristina. Erst in einem Schuhladen, dort jobbt sie neben dem Studium. Dann geht’s zu ihr nach Hause, ein Gespräch unter vier Augen soll für mehr Klarheit sorgen. Schnell hat Bruce den wunden Punkt gefunden. Kristina ist mit ihrer Oberweite unzufrieden, findet ihren Busen zu klein. "Hast du schon mal an eine Operation gedacht?", fragt Bruce gezielt. Ja, hat sie und die Tränen fließen. Auch bei Bruce. Er nimmt seine Kandidatin in die Arme, tätschelt ihren Kopf und flüstert ihr aufmunternd ins Ohr: "Das Aussehen, das kommt und das geht".

Ein Skandal bahnt sich an

Habe ich etwas anderes erwartet? Irgendwie schon, oder doch nicht? Die Kameraführung ist ausgefallener, es wird mit Filtern und Weichzeichnern gearbeitet. Alles andere kennt der Fernsehzuschauer von den Privatsendern, einschließlich der sentimentalen Musik, die in bewegenden Momenten wie diesem nur allzu gern ihren Einsatz findet. Und Bruce Darnell ist nicht annährend unterhaltend.

Auch nicht in den verbleibenden Sendeminuten. Diese nutzen der Showmaster und sein Team für das Kandidaten-Styling. Denn ein wirkliches Problem hat Kristina ja nicht. Sie arbeitet zu viel und hatte schon lange keinen Spaß mehr. Dem kann abgeholfen werden. Bruce möchte einen Skandal und lässt Hoffnung auf einen Höhepunkt aufkeimen. Doch der Meister des Dramas enttäuscht. Ein Fotoshooting in Dessous ist ebenso wenig skandalös wie eine Busfahrt durch die Hamburger Innenstadt. Aber wenn es hilft, der Kandidatin zu neuem Selbstbewusstsein zu verhelfen, bitte. Ich hingegen bin geneigt, den Fernseher auszuschalten, doch die weibliche Neugier siegt. Ich bin gespannt auf Kristinas neuen Look und ihre neue Frisur. Doch ich werde ein zweites Mal enttäuscht – der neue Haarschnitt steht der Kandidatin überhaupt nicht. Bruce und sein Team haben ganze Arbeit geleistet – morgen bleibt der Fernseher um 18.55 Uhr ausgeschaltet. Bruce, ich bin sauer!

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