Suchmaschinen : Alternativen zu Google

Mit Änderungen bei der Bildersuche ärgert Google erneut seine Nutzer, doch die bleiben der Suchmaschine treu. Wir haben die Alternativen getestet.

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Komplett analoge Suchmaschinen: Trüffelschweine finden die echten Leckerbissen.
Komplett analoge Suchmaschinen: Trüffelschweine finden die echten Leckerbissen.Foto: Fotolia

Wildwest im Internet: Erst schalten, dann fragen. Nach dieser Devise führt Google neue Funktionen ein – sei es beim Abfotografieren von Straßenzügen oder aktuell bei der neuen Bildersuche. „Verteidige Dein Bild“, fordert nun eine Initiative von Fotografen und Zeichnern, mit der dagegen protestiert wird, dass Google Originalbilder bereits auf der Ergebnisseite in voller Schönheit abbildet. Doch so laut die Kritik an Google auch sein mag – auf den Erfolg der Suchmaschine hat das keine Auswirkungen. Gerade erst hat das Unternehmen seinen Marktanteil in Deutschland auf 95,9 Prozent aller Suchanfragen ausgebaut. Microsoft und Yahoo, die bei der Suchmaschine Bing kooperieren, kommen laut den Marktforschern von Comscore auf nur zwei Prozent. In den USA ist Googles Dominanz weniger ausgeprägt, dort erreicht der Gigant einen Marktanteil von 67 Prozent vor Bing mit 28 Prozent, Ask mit 3,5 Prozent und AOL mit 1,8 Prozent.

Dabei gibt es Alternativen. „Dass Google gut ist, wird nicht bestritten“, sagt Wolfgang Sander-Beuermann, der an der Universität Hannover die Suchmaschine Metager.de mitentwickelt hat. Google sei inzwischen technologisch so weit entwickelt, dass schon einige Milliarden Euro nötig wären, um mit dem US-Unternehmen gleichzuziehen. „Mit ein paar Förderprogrammen und einigen Millionen Euro ist da nichts zu machen.“

Trotzdem hat Metager viele Anhänger, mit gutem Grund. Vor allem Wissenschaftler schätzen die bereits 1996 gestartete Suchmaschine. Als Metasuchmaschine führt MetaGer die Ergebnisse einer Vielzahl von Seiten zusammen. Derzeit handelt es sich um rund 50 Suchmaschinen. Allein im Bereich der Forschung werden zehn Spezialangebote ausgewertet. Für einige Felder wurden zudem eigene Suchmaschinen entwickelt. Die Anfragen lassen sich sehr fein justieren. Es gibt verschiedene Kategorien wie die deutschsprachigen oder die internationalen Suchdienste, die wissenschaftliche Suche, die Spezialsuche und die Produktsuche. Dabei wirft Metager Treffer aus, die man beim Marktführer so nicht findet.

Global gibt es gerade einmal drei große Suchmaschinen, die das Internet weltweit durchforsten und auch in nahezu allen Ländern der Welt genutzt werden können. Neben dem Marktführer Google sind das die Kooperationspartner Microsoft und Yahoo mit Bing sowie die russische Suchmaschine Yandex (siehe Interview). Im Wesentlichen ist die Funktionalität von Yandex.com auf die allgemeine Websuche und die Suche nach Bildern beschränkt. Allerdings zeigt sich schon nach einigen Anfragen, dass Yandex nicht nur an der Oberfläche kratzt.

Die Stärke von Google in Deutschland und Europa hat indes auch mit dem Scheitern von Lycos zu tun, sagt der Hamburger Unternehmensberater und Google-Kenner Lars Reppesgaard („Das Google-Imperium“). In Europa hatte das US-Unternehmen mit Bertelsmann kooperiert. Ihm fehlte es jedoch an einem klaren Profil, „Lycos hat sich in der Mischung aus Suchmaschine, Community und Portal verzettelt“, sagt Reppesgaard. Auch ein anderer potenzieller Google-Killer hat die Erwartungen bislang nicht erfüllt: die Suchmaschine Wolfram Alpha ist eher auf akademische Fragestellungen ausgelegt.

Viele Nutzer merken allerdings gar nicht, dass sie gerade eine Frage an Wolfram Alpha gestellt haben. Immer wenn sie bei der Microsoft-Suchmaschine Bing eine Formel eingeben, wird ihre Anfrage automatisch weitergeleitet. Bing selbst ist noch vergleichsweise jung. Die Suchmaschine ging erst Mitte 2009 aus MS Search hervor. Um sich von Google zu unterscheiden, legt Bing großen Wert auf die grafische Ausgestaltung, sowohl bei den Fotos auf der Suchseite als auch bei der Aufbereitung der Ergebnisseiten. Zudem kooperiert Bing mit Facebook. Diese Zusammenarbeit dürfte in Zukunft noch wichtiger werden. Das Netzwerk hat vor kurzem die eigene Suchfunktion Graph Search angekündigt. Datenbasis ist nicht das World Wide Web, sondern das Beziehungsgeflecht der rund eine Milliarde Facebook-Nutzer. Mit Graph Search soll sich demnächst abfragen lassen, welche Filme die eigenen Freunde zuletzt gesehen haben und welche Restaurants sie mögen. Alle Fragen, die aus dem Internet beantwortet werden können, werden an Bing weitergeleitet.

YAHOO! INC.]Wer mit den Suchergebnissen von Google grundsätzlich zufrieden ist, aber die Datensammelwut der großen Krake ablehnt, sollte sich Startpage.com anschauen. Die Suchmaschine zeichnet sich dadurch aus, dass die IP-Adressen der Nutzer nicht erfasst werden und auf dem Rechner des Suchenden keine Cookies abgelegt werden. Die Verbindung zwischen Nutzer und Suchmaschine wird verschlüsselt, so dass auch in einem ungesicherten W-Lan keine Informationen abgegriffen werden können. Startpage erhielt dafür das erste europäische Datenschutzsiegel und wurde vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Allerdings arbeitet auch diese Seite werbefinanziert und zeigt auf der Trefferseite zuerst die gesponserten Links an.

Noch weiter von Google kann man sich mit Duckduckgo.com entfernen. Wie Startpage verzichtet auch die Entensuche so weit wie möglich auf die Erfassung und Speicherung von Nutzerdaten wie IP-Adressen und Nutzeranfragen. Duckduckgo.com ist zudem die spartanischste aller Google-Alternativen, außer dem Suchschlitz befindet sich nichts auf der Seite. Das in Pennsylvania beheimatete Unternehmen nutzt für Duckduckgo die Schnittstellen zu anderen Suchmaschinen wie Yahoo! und Wolfram Alpha sowie Datenquellen wie Wikipedia, Amazon und Youtube. Zugleich füllt ein eigener Webcrawler den Datenspeicher. Die Treffer unterscheiden sich merklich von Google und anderen Suchmaschinen. Der Name leitet sich übrigens aus dem Kinderspiel „Duck, Duck, Goose“ ab, das in Deutschland unter dem Namen „Der Plumpsack geht um“ bekannt ist. Eine Besonderheit sind die Infoboxen oben in den Ergebnislisten. Wird ein Prominenter gesucht, stehen dort die wichtigsten Fakten zur Person. Aber auch hier herrscht Wildwest. Inzwischen gibt es diese Funktion auch bei Google.

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