Suchmaschinen : Bing, es twittert

Suchmaschinen greifen bald auch auf Twitter zu. Dazu musste auch Microsoft die Relevanz-Kriterien von Bing der Twitter-Welt anpassen.

Anna Sauerbrey
306684_0_fb2836ba.jpg
Robbie, Twitter und Bing. Tweets zu Robbie Williams sortiert.Screenshot: Tsp

Abonnenten von Twitter-Nachrichten wussten es schneller. Dass Horst Köhler zum Bundespräsidenten gewählt worden war, zum Beispiel. Auch die ersten Bilder, die Europa nach den jüngsten Naturkatastrophen in Indonesien und Samoa erreichten, waren Twitpics, also von Menschen vor Ort mit dem Handy aufgenommene und über Twitter verbreitete Fotos. Twitter wird wichtiger, je mehr Dauerplauderer sich registrieren. Dem trägt Microsoft Rechnung. Der Software-Konzern hat angekündigt, dass seine Suchmaschine Bing nun auch Twitter nach relevanten Treffern absucht. Unter bing.com/twitter können Internetnutzer derzeit eine Beta-Version testen, zunächst über die amerikanische Bing-Plattform. Durch die Ankündigung von Microsoft unter Druck geraten, hat auch Gigant Google bekannt gegeben, demnächst mit Twitter zu kooperieren.

Twitter ist eine Plattform, auf der jeder in 140 Zeichen Nachrichten absetzen und die Mitteilungen anderer verfolgen kann. Rund 30.000 aktive Twitterer sind in Deutschland angemeldet. Handfeste Informationen in den vielen Meldungen zu finden, war allerdings bislang schwierig. Zwar gibt es schon eine Twitter-eigene Suche. Diese allerdings sortiert die Treffer lediglich nach Aktualität. Bing ordnet nun zusätzlich nach Relevanz.

Dazu musste Microsoft die Relevanz-Kriterien von Bing der Twitter-Welt anpassen. Bei der Suche auf Internetseiten wird vor allem der Inhalt analysiert. Kommt der gesuchte Begriff häufig vor, wird die Seite als wichtiger eingeordnet. Diese Methode funktioniert bei Twitter aufgrund der Kürze der Botschaften nicht. Welche Kriterien stattdessen eine Rolle spiele, will Microsoft im Detail nicht verraten. „Wenn jemand viele Follower hat, könnte sein Tweet höher bewertet werden“, schreibt Paul Yiu aus dem Social-Search-Team des Softwareriesen in einem Unternehmensblog mit der gewohnten Vorsicht der Entwickler. Kriterien könnten auch sein, wie oft auf einen bestimmten Tweet geantwortet wurde, wie oft er weitergeleitet wurde und wie viele Follower derjenige hat, der die Nachricht weiterleitet.

Neben der so oder ähnlich ermittelten Relevanz soll Bing aber auch die Aktualität von Twitter abbilden, die Suche erfolgt in Echtzeit. Die Beta-Version bietet zu jeder Suche zuoberst die vier aktuellsten und darunter die relevantesten Treffer. Ob das so bleibt, ist noch offen. „Wir schauen erst einmal, wie sich unsere User verhalten“, sagte Frank Fuchs, Produktmanager für Bing in Deutschland.

Berichte, nach denen Bing und Google auch Kooperationen mit Facebook planen, wollten beide Unternehmen nicht bestätigen. Allerdings ist zu erwarten, dass die großen Suchmaschinen-Anbieter auch andere Soziale Netzwerke in näherer Zukunft in ihre Suche mit einbeziehen. „Das ist sicherlich eine Möglichkeit“, sagte ein Sprecher von Google-Deutschland.

0 Kommentare

Neuester Kommentar