Medien : "Süchtig nach Informationen"

matt

Das erste Stichwort auf dem so genannten "Print-Gipfel" auf den Münchner Medientagen lieferte ein Fernsehmann: Leo Kirch. In der "FAZ" hatte er angekündigt, desolate Regional-Zeitungen aufzukaufen und aus diesem "Fallholz", wie er sich ausdrückte, "Bauholz" zu machen. Die Diskussionsteilnehmer auf dem Münchner Podium sahen das skeptisch. "In Deutschland gibt es kein Fallholz", sagte der Holtzbrinck-Geschäftsführer Michael Grabner. Und wenn, dann stünden schon die Verlage bereit, um es aufzusammeln. "Dazu braucht man nicht Kirch", pflichtete Lutz Glandt bei. Er ist Geschäftsführer des Konzerns der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" und sagt, bei der "WAZ" habe man viel Geld übrig, und damit werde man sich überall in Deutschland einkaufen, wenn sich die Gelegenheit biete.

Doch so einfach ist das nicht. Denn gäbe es so eine Gelegenheit, stünde sogleich das Kartellamt auf der Matte, um dem Konzentrationsprozess in der deutschen Medienlandschaft Einhalt zu gebieten. Grabner machte obendrein das Kartellamt für einen drohenden Qualitätsverlust der deutschen Presse verantwortlich: "Wir müssen das Kartellrecht ändern, bevor sich hier ausländische Medienkonzerne einkaufen und das Niveau der Zeitungen drücken."

Ansonsten gaben sich die Gipfelteilnehmer trotz Einbrüchen im Anzeigengeschäft optimistisch. Der Grund sind ausgerechnet die Terror-Anschläge vom 11. September. "Das Fernsehen hat die Menschen süchtig nach mehr Information gemacht", sagte Hans Werner Kilz, Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung". "Analysen und Hintergründe können eben nur Print-Medien angemessen darstellen", pflichtete Grabner bei. Internet hin, Internet her: "Im letzen Jahr wurde noch der baldige Tod der Tageszeitung vorausgesagt", so Grabner: "Doch das Internet hat die Printmedien nicht verdrängt, sondern ist zum Ergänzungsmedium geworden."

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