''Süddeutsche'' : Ribéry und die Folgen

Nach dem "SZ"-Interview mit Franck Ribéry: Wie Zeitungen auf die Medien-Politik des FC Bayern reagieren.

Markus Ehrenberg
Frank Ribery
Franck RibéryFoto: dpa

Ob Bayern-Fans oder Bayern-Hasser – Fußball-Spiele des erfolgreichsten deutschen Clubs werden gerne wahrgenommen, all das Drumherum beim FC Hollywood fast noch lieber. FC-Bayern-Nachrichten sind gute Nachrichten, gut zu verkaufen. Interviews mit Bayern-Stars zum Beispiel, zumal, wenn darin jemand wie Franck Ribéry Verstärkungen fordert und damit seinen Vorstand zu ärgern scheint, wie am Wochenende in einem großen Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Im offiziellen Interview selbst fand sich diese heikle Passage allerdings nicht, sondern in einem Extrakasten. Kurz vor Redaktionsschluss hatte die Presseabteilung des FC Bayern „zentrale Passagen“ gestrichen, woraufhin sich die „SZ“ für den Sondertext entschied.

Ein merkwürdiger Informationsfluss, ein verhindertes Zusammenspiel von Interviewern und Interviewten, gar von einem „Maulkorb für Ribéry“ wollte die „taz“ wissen. Die Tatsache, dass der Spieler das Gleiche fordert wie lauthals sein Präsident, macht das Ganze noch absurder – was auch ein Licht auf die zukünftige Medienpolitik des FC Bayern unter Trainer Jürgen Klinsmann wirft. Klinsmann gilt nicht gerade als Freund der Medien. Schon ist die Rede von einer White-House-Medienpolitik. Dass der FC Bayern nicht mehr mit jedem rede, sondern nur noch mit einem Pool von 20 Redaktionen. Dass es so eng wird, glaubt Roland Zorn, Fußball-Koordinator der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, nicht. „Der FC Bayern würde sich doch mehr schaden als nutzen, vor allem, wenn Interviews zusammengestrichen werden.“ Ob sich das Zusammenspiel vom FC Bayern mit den Medien verändern werde, könne man erst nach Klinsmanns Dienstantritt im Juli sagen. Etwas anders sieht das „SZ“-Sportchef Ludger Schulze: „Die Sportredaktion der ,SZ’ versteht sich nicht als Außenposten der PR-Abteilung des FC Bayern. Unter den Umständen werden wir künftig auf Interviews verzichten.“ Die Münchner Zeitung ist Platzhirsch in der Landeshauptstadt, ähnlich wie der FC Bayern. Muss sich die „SZ“ da nicht doch mit diesem Prinzip anfreunden: Gesagt werden darf alles, nur gedruckt wird es nicht? Oder wird es künftig neben jedem Interview einen Kasten geben – mit Nicht-offiziell-Gesagtem? Und was sagt der FC Bayern dann dazu? „Es gab ein erregtes Telefonat danach, mittlerweile scheint sich das Verhältnis wieder zu normalisieren“, sagt der „SZ“-Sportchef. Unter „Kontrollfreak“ Klinsmann, so Schulze, dürfte die Medienpolitik der Bayern aber noch restriktiver werden.

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