Superbauten : Der Star bleibt der Dom

Schauspieler Sebastian Koch präsentiert die dreiteilige ZDF-Reihe „Terra X“

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 Rollenwechsel für Sebastian Koch: Der 47-Jährige gehört zweifellos zur ersten Schauspieler-Liga in Deutschland, für das ZDF präsentiert er nun die dreiteilige „Terra X“-Reihe über „Superbauten“, die am Sonntag mit einem Film über den Kölner Dom beginnt. „Mich interessiert Architektur“, begründet Koch nüchtern seine Bereitschaft mitzuwirken. Schön fürs ZDF, das somit ein populäres Zugpferd als Gesicht für den Dreiteiler gewinnen konnte. Zuletzt sah man Koch als brutalen Kapitän Larsen im „Seewolf“, aber es schadet sicher nicht, dass ihn das Publikum in seinen wichtigsten Rollen, den Schriftstellern Klaus Mann in Breloers „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ und Georg Dreymann im Oscar-prämierten „Das Leben der Anderen“, als Mann für Sinn mit Kultur kennen gelernt hat.

Zwingend ist es nicht, dass solche filmischen „Biografien über Bauwerke“ (ZDF-Redakteur Alexander Hesse) von einem Schauspiel-Star präsentiert werden müssten, aber Koch nimmt man immerhin die Begeisterung über architektonische Wunderwerke ab. Gelassen, professionell und bisweilen heiter schreitet er durch die jahrhundertelange Baugeschichte und kann auch auf einem Gerüst in schwindelnder Höhe spielend auf einen Teleprompter verzichten. Der Star bleibt der Dom, sagt uns das. Warum Koch allerdings auf einer Treppe über einem imaginären, digitalen Abgrund die Beine baumeln lassen muss, bleibt rätselhaft. Auch die Nummer mit dem geöffneten Regenschirm, der die Kraft des Windes demonstrieren soll, geht leider schief. Und beinahe pausenlos werden einem musikalische Fanfaren um die Ohren gehauen, als könne man sonst nicht die besondere Erhabenheit des Bauwerks begreifen.

Der Rollenwechsel „war ein bisschen gewöhnungsbedürftig“, sagt Koch. Besonders der direkte Blick in die Kamera, für einen Schauspieler normalerweise tabu, „war wie eine Entweihung für mich“. Dafür durfte er sich, wie alle Seiten beteuern, frühzeitig einbringen, auch bei der Entwicklung der wichtigsten Figuren für die in Prag gedrehten Spielszenen (bei denen er nicht mitwirkte). Koch möchte am liebsten „die kleinen Geschichten hinter der Geschichte erzählen“, von „Menschen zwischen Genie und Wahnsinn“. Der illustre Ludwig II. bietet da für den zweiten Teil, in dem es um Schloss Neuschwanstein geht (21. März), eine besonders saftige Vorlage. In Folge drei (28. März) steht die Dresdner Frauenkirche im Mittelpunkt. Im Fall des Kölner Doms kommt neben dem legendären Baumeister Gerhard, der 1271 vom Gerüst stürzte und starb, der Kunsthändler Sulpiz Boisserée ins Spiel, der im 19. Jahrhundert die Wiederaufnahme der 300 Jahre unterbrochenen Bauarbeiten betrieb.

Das Projekt hatte seinen Ursprung in der nationalen Begeisterung während der Fußball-WM 2006. Damals befragt nach den Lieblingsorten, erhielt das ZDF laut Redakteur Alexander Hesse eine „unglaubliche Resonanz“ wie bei keiner anderen Online-Wahl des Senders. Nach 250 000 abgegebenen Stimmen brach der Sender, überfordert mit der Auswertung, die Wahl ab, was wohl heißt, dass sich das Publikum mehr für Superbauten als für Superdeutsche interessiert, die das ZDF ja auch schon gesucht hat („Die größten Deutschen“).

Vielleicht deshalb wird Johann Wolfgang Goethe sehr malerisch auf einem Ruderboot nach Köln gefahren, wo er gemessenen Dichterfürsten-Schrittes durch die Dom-Baustelle wandelt. Goethes „Zuspruch markiert die Wende“, lassen die Autoren Sebastian Koch behaupten. Dass die Fürsprache des Weimarer Genies beim König über den Weiterbau entschied, ist historisch arg zugespitzt, aber wer wollte schon daran zweifeln, dass auch der Kölner Dom ein deutscher Klassiker ist? Und als solcher steht er sogar ohne moderne statische Berechnungen noch heute stabil und sicher, was den U-Bahn-geplagten Kölnern tatsächlich wie ein Wunder erscheint.

"Terra X - Superbauten", Sonntag, ZDF, 19 Uhr 30

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