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Superquote für Wasserball im ZDF : Fußball geht auch ohne Fußballspiel

ZDF: Samstag ohne EM-Spiel interessanter als Sonntag mit EM-Viertelfinale

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Deutschlands Trainerin Steffi Jones hilft nach Starkregen beim Entwässern des Spielfeldes für das EM-Viertelfinale.
Deutschlands Trainerin Steffi Jones hilft nach Starkregen beim Entwässern des Spielfeldes für das EM-Viertelfinale.Foto: dpa

Deutschland ist eine Fußballnation. Wer jemals daran gezweifelt hat, der durfte sich am Samstag eines Besseren belehren lassen. Das ZDF startete um 20 Uhr 15 seine Übertragung vom EM-Viertelfinale Deutschland gegen Dänemark. Das Spiel sollte um 20 Uhr 45 angepfiffen werden, aber es gab keinen Pfiff, niemals. Der Rasen war wegen Starkregens unbespielbar, schließlich wurde die Partie auf Sonntag um zwölf Uhr verschoben. Das ZDF übertrug bis 22 Uhr 07, dann wurde eine Folge des „Kriminalisten“ wiederholt.
Das Zweite wurde für die Übertragung eines Nicht-Fußballspiels belohnt. 3,82 Millionen Zuschauer waren im Schnitt bei den Live-Bildern aus Rotterdam dabei. Das war nach der „Tagesschau“ (5,20 Millionen) und den „Donna Leon“-Wiederholungen im Ersten (4,58/4,07 Millionen) die drittbeste Quote. Eigentlich ein Wahnsinn, Millionen schauen zu, wie Helfer mit kleinem Gerät versuchen, das Wasser vom Platz bringen, wie einer sich beim Schußversuch auf den Rücken legt, wie Bundestrainerin Steffi Jones sich an der Eimerkette beteiligt. Es passierte nix, Warten war Programm. Kein Fußball, aber eine Quote wie bei einem Fußballspiel. Das schafft nur – der Fußball!
Neues Spiel, neues Glück am Sonntag? Na ja, schnell musste sich stellte der Eindruck einstellen, dass das Nichtfußballspiel am Samstag die größere Zuschauerfreude war, so durchschnittlich war das Viertelfinale. Kommentatorin Claudia Neumann redete Tacheles. „Das ist alles zu behäbig, liebe Freundinnen da unten“, „Steffi Jones paralysiert“ – solche Sätze waren keine Übertreibung, sondern dem Niveau angemessen. Richtig sauer wurde Neumann, bis bin zur Scharfrichterin, als sich die überraschende Niederlage anbahnte. Auch die eloquente Expertin, Ex-Nationalspielerin Célia Šašic, wollte mit Moderator Sven Voss die (deutsche) Partie nicht schönreden, so wenig wie die Spielerinnen nach Abpfiff. Vielleicht ist Frauenfußball der ehrlichere Fußball.
Und dann ZDF-„Fernsehgarten“: Sonnenschein, rhythmisches Klatschen, Andrea Kiewel, beste Stimmung. Fernsehen kann sehr schön sein – wenn der Fußball nicht dazwischenkommt.

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