"Supertalent" oder "Tagesschau"? : Was der Zuschauer der Zukunft will

Immer weniger Menschen wollen sich ans vorgeschriebene Programmschema binden, doch kann das Fernsehen auch im Online-Zeitalter Leitmedium bleiben? Eine Diskussionsrunde über die Vorlieben des Publikums.

Christian Helten

Am vergangenen Wochenende startete die vierte Staffel der RTL-Castingshow „Das Supertalent“ mit Rekordquote: 7,43 Millionen Zuschauer sahen am Samstag (Sonntag: 7,74 Millionen) unter anderem Darbietungen eines Schwertkämpfers, eines Getränkedosen zerquetschenden Busenwunders und eines Hypnosekünstlers – Attraktionen, die wohl auf Jahrmärkten im Mittelalter funktioniert hätten. Warum sich das Publikum auch im Jahr 2010 von solchen Inhalten begeistern lässt, beantworteten gestern zwei Diskussionsrunden der Produktionsgesellschaft UFA zur Zukunft des Fernsehens. „Der Mensch hat sich am wenigsten verändert“, sagte Günter Struve, ehemaliger Programmchef der ARD. „Er springt auf Reize an, die auch vor 1000 Jahren funktioniert haben.“ Mit spannenden Geschichten, Sport und Nachrichten, werde Fernsehen trotz der Digitalisierung „mindestens zehn Jahre Leitmedium bleiben“, so Struve.

Der Programmchef des ZDF, Thomas Bellut, sieht die öffentlich-rechtlichen Sender vor Problemen. Es werde immer schwieriger, Menschen mit „anspruchsvollen Inhalten zu erreichen“, sagte Bellut mit Blick auf die zunehmende Gewohnheit des Publikums, sich sein Programm online selbst zusammenzustellen. Vor allem die jüngeren, internetaffinen Zuschauer haben sich von der Fernsehnutzung nach Programmzeitschrift weitgehend verabschiedet. Stattdessen, so Joel Berger von MySpace, würden sie „Inhalte nicht mehr suchen, sondern immer öfter über Empfehlungen in Online-Netzwerken entdecken“.

Am positivsten sah Katharina Behrends, Chefin der deutschen Pay-TV-Sender von NBC Universal, die Zukunft des Fernsehens. „Mit dem hochauflösenden HD-Fernsehen, später auch mit 3D, wird das Fernsehen einen großen Boom erfahren – auch bei jungen Leuten“, sagte sie. Behrends rechnet damit, dass sich das Publikum in klare Zielgruppen aufteilen lässt, die durch Spartenkanäle bedient werden können. Christian Helten

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