Medien : Suzanne von Borsody im Gespräch: "Eine Chance fürs Kino"

Frau von Borsody[Sie beherrschen das gesamte Meti]

Suzanne von Borsody, 43, Preisträgerin der "Goldenen Kamera", ist heute in "Eine Hand voll Glück" (ARD, 20 Uhr 15) zu sehen.

Frau von Borsody, Sie beherrschen das gesamte Metier unterschiedlicher Frauenrollen. Nun sind sie eine erfolgreiche, aber gefühlskalte Ärztin. Was hat Sie an der Martha in "Eine Hand voll Glück" gereizt?

Martha ist eine unmögliche Person. Sie raucht, sie trinkt, sie fährt angetrunken Auto, begeht Fahrerflucht, kann keine Kinder leiden, mag keine Tiere, schreit dauernd "Scheiße" - und man mag sie trotzdem. Das ist das Schöne: Man kann als Frau Erfolg, einen zwanzig Jahre jüngeren Mann und keine Kinder haben, ohne als frustriert, zickig oder lesbisch zu gelten.

Gibt es heute differenziertere Rollen für Schauspielerinnen als vor 15 Jahren?

Ich befinde mich in einer privilegierten Position. Ich habe viele gute Geister um mich herum, die mir die Gelegenheiten verschaffen, sehr unterschiedliche Rollen zu spielen. Aber es hat sich einiges verändert.

Was zum Beispiel?

Vor 15 Jahren war man in meinem Alter auf das Hausfrauenfach abonniert, auf Köchinnen, auf frustrierte Ehefrauen, die nebenbei auftraten, weil es eigentlich um die Geliebte des Mannes ging.

Die Frauenbewegung hat sich durchgesetzt?

Heute wird Feminismus mit feminin gleichgesetzt, was ich wunderbar finde. Das ist ein neues Frauenbild, das sich auch peu à peu in den Fernsehspielen zeigt. Ich danke allen Vorstreiterinnen aus der 68-er Generation, die nicht nur sich selber die Türen aufgemacht, sondern auch so manch eine Männer-Domäne gesprengt haben.

Nico Hofmann, der Produzent von "Eine Hand voll Glück", prophezeit den Fernsehspielen in Zeiten des Reality-TV eine düstere Zukunft. Sie auch?

Ich neige dazu, immer etwas positiver zu argumentieren. Die ARD stand den "Jahrestagen" anfangs auch relativ skeptisch gegenüber, hat sie aber dann produziert und sogar einen Erfolg eingefahren. Bei "Eine Hand voll Glück" waren alle Mitwirkenden mit Begeisterung dabei. Wenn man wie Regisseurin Christiane Balthasar innerlich brennt, kann dabei nichts Schlechtes rauskommen.

Regiert wirklich die Qualität und nicht die Quote?

Während meiner Zeit am Düsseldorfer Schauspielhaus in den Achtzigern hatten wir einen Intendanten, der zwar keine Reality-Shows gemacht hat, dafür aber Stücke wie "Das weiße Rössl am Wolfgangsee", Erfolgsproduktionen eben. Durch diese leichte Kost für die breite Masse hat er dem Theater genügend Geld eingebracht, um alternativ in der Werkstatt-Bühne Performances laufen zu lassen, wie das so genannte "Linksradikale Blasorchester", Dichterlesungen, wirklich spannende Abende mit völlig schrägen Geschichten. Es wäre schön, wenn das mit den Reality- und Quiz-Shows den gleichen Effekt hat, dass Freiraum für fiktionale Stoffe geschaffen wird.

Das hat was von Börsenspekulation ...

Ja. Den Neuen Markt bilden diese neuen Shows. Irgendwann wird das bestimmt crashen, aber man hat eine Menge damit verdient. Fragt sich nur, ob dieses Geld danach in gute fiktionale Stoffe investiert wird.

Und wenn nicht?

Dann eröffnet diese ganze Entwicklung vielleicht mal einen anderen Blickwinkel aufs Kino: Dann ist das Fernsehen eben künftig die Domäne von Game-Shows und dafür werden einfach mehr Kinofilme gemacht.

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