SYMPATHIEWERBUNG : Rote Welle

„Soft Power“: China geht in die Medien-Offensive

Andreas Landwehr (dpa)

Mit einer Propaganda-Offensive baut China weltweit seine „Soft Power“ aus. Milliarden investiert die kommunistische Führung in die globale Expansion der chinesischen Medien, um ihrer Stimme in der Welt mehr Gehör zu verschaffen. Die ehrgeizige Strategie geht auf Staats- und Parteichef Hu Jintao zurück. Er sieht in „Soft Power“, wie die Einflussnahme auf andere Staaten durch Kultur und Ideen gerne bezeichnet wird, „einen immer wichtigeren Faktor nationaler Stärke“. Es stelle sich die drängende strategische Aufgabe, „unsere Kommunikationsfähigkeiten dem internationalen Status Chinas anzugleichen“, gab Propagandachef Liu Yunchun der drittgrößten Wirtschaftsmacht als Linie vor. „Heute haben Nationen, deren Geschick und Fähigkeit zur Kommunikation besser und fortschrittlicher ist, auch mehr Einfluss in der Welt.“ Im Mai startete das Parteiorgan „Renmin Ribao“ (Volkszeitung) die englischsprachige „Global Times“, die sich mit modernem Konzept, wenngleich nationalistischen Untertönen, profilieren konnte. Chinas Nachrichtenagentur Xinhua geht sogar unter die Fernsehmacher und baut einen 24-stündigen Nachrichtenkanal nach dem Vorbild des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira. Die Staatsagentur will globale Ereignisse „objektiv“ und „aus chinesischer Sicht“ interpretieren, um ausländischen Zuschauern eine „neuartige Perspektive“ zu geben.

Der neue Nachrichtenkanal erweitert die bereits starke globale Radio- und Fernsehpräsenz Chinas. Das Staatsfernsehen CCTV sendet schon mehrsprachig in rund hundert Länder – seit dem Sommer auch auf Arabisch in 22 Länder. Für die Expansion will China nach westlichem Vorbild internationale Medienimperien aufbauen. Unter dem Schlagwort „Privatisierung“ wird sogar um ausländisches Kapital für staatliche Verlage geworben, was sich aber nicht in mehr Freiheit umschlagen soll. Propagandachef Liu Yunshan mahnte Verlage, „immer die richtige Richtung der fortschrittlichen sozialistischen Kultur“ einzuhalten.

So werden ausländische Informationen in China begrenzt, während sich Chinas Medien in den freien Gesellschaften der Welt ungehindert breitmachen können. Zwar spricht nichts gegen mehr Informationsfluss aus China, doch bemängeln Kritiker eine „propagandistische Selbstdarstellung“ durch ein autoritäres Regime. Mit seiner Offensive will China das Bild vom Unrechtsstaat abschütteln. Für seine Führer gewann das Projekt im Frühjahr 2008 noch an Dringlichkeit, als nach den Unruhen in Tibet der olympische Fackellauf durch Proteste zum Spießrutenlauf wurde. Die Losung lautet heute, „der Welt ein gutes Image von China besser zu vermitteln“.

Für die neue Strategie sollen nach Hongkonger Presseberichten, die in China zitiert werden, über vier Milliarden Euro vorgesehen sein. Doch Glaubwürdigkeit entsteht erst mit Meinungsvielfalt und unabhängiger Berichterstattung. „Chinas kultureller Einfluss wird erst stärker werden, wenn das Land auch willens ist, offen über seine Schwächen zu reden“, sagte ein Experte. Andreas Landwehr (dpa)

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