Szene : Ruhe bitte!

Das neue Stadtmagazin „BerlinBlock“ setzt auf Entschleunigung.

Sonja Pohlmann

Wie eine Rakete hebt der Fernsehturm am Alexanderplatz in den Himmel ab – passender könnte das Titelbild für das neue Magazin „BerlinBlock“ kaum sein, das an diesem Montag einen risikoreichen Start wagt: Mitten in einer Zeit, in der die Printbranche weiter unter der Anzeigenkrise ächzt, mitten in einen Markt, in dem es mit der „Zitty“ und dem „Tip“ bereits zwei etablierte Stadtmagazine in Berlin gibt, will sich der „BerlinBlock“ durchsetzen. Zum Preis von 4,80 Euro wird die Zeitschrift in einer Auflage von 15 000 Stück am jeweils letzten Montag eines Monats erscheinen.

Hinter der Idee stecken zwei ehemalige „Zitty“-Redakteure, Michael Pöppl, 48, und Heike Gläser, 42, beide sind Chefredakteure und Herausgeber des „BerlinBlock“. Sie hatten sich zu alt für die bisher bestehenden Stadtmagazine gefühlt und wollten deshalb ein Blatt gründen, das sich an ein Publikum jenseits der 30 richtet. Zwar gehen in Berlin auch viele 40-Jährige noch allabendlich auf die Piste – aber Pöppl und seine Mannschaft wollen sich an diejenigen richten, die Entschleunigung suchen. Zumindest, was den Lesestoff angeht. Lange Artikel, opulente Fotostrecken sollen zum Programm des „BerlinBlock“ gehören.

Gleich in der ersten Ausgabe gibt es eine opulente Fotostrecke und ein Stück über die zahlreichen Freiflächen Berlins. Passend zum eigenen Schicksal dreht sich der Heftteil „ThemenBlock“ um den „Anfang“. Porträtiert werden beispielsweise die Jungschauspielerin Claudia Eisinger, die Nachwuchsband Chukamuck und eine Relocation-Managerin.

Die Macher wollen den Blick über den Tellerrand von Mitte, Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Friedrichshain richten, und so ist im Ressort „FreizeitBlock“ eine Kiezreportage aus Friedrichshagen zu lesen, weitere Themen sind Öko-Mode und die Tischkicker-Bundesliga. Der „KulturBlock“ widmet sich Neuigkeiten aus Kunst, Kultur, Musik und Literatur, im „TerminBlock“ werden unter anderem Vernissagen, Premieren und Konzerte angekündigt – allerdings nur eine Auswahl, was ein wesentlicher Unterschied zur „Zitty“ und zum „Tip“ ist, die gerade wegen ihrer ausführlichen Programme als Begleitung durch den Event-Dschungel der Hauptstadt geschätzt werden. „Wir sehen uns weniger als Programm- sondern eher als Kulturmagazin für ganz Berlin“, sagt Chefredakteur Pöppl. Finanzieren soll sich das Magazin über Verkauf und Anzeigen. Doch auch wenn Werbekunden laut Pöppl für die erste Ausgabe mühsamer zu bekommen waren als gedacht, glaubt er an den Erfolg von „BerlinBlock“. Inspiriert zu dem Namen „BerlinBlock“ wurden die Macher übrigens vom Song „Mein Block“ des Rappers Sido – nicht gerade die Sinfonie der Entschleunigung, aber ein Erfolg. Sonja Pohlmann

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