Medien : Szenen einer Ehe

ZDF-Film spürt Familienleben von Nofretete und ihrem Mann Echnaton nach

Christina Tilmann

Sie ist die schönste Frau von Berlin – und die geheimnisvollste dazu. 14 Millionen Fans haben seit 1967 im West-Berliner Behelfsquartier des Ägyptischen Museums in Charlottenburg der Herrscherin ihre Aufwartung gemacht. Für die Museumsinsel, wo Nofretete ab 13. August zunächst im Alten Museum, dann ab 2009 in ihrem ursprünglichen Quartier im restaurierten Neuen Museum Aufstellung nimmt, werden noch viel mehr erwartet.

Die Fernsehjournalistin Carola Wedel, die nun schon in mehreren Dokumentationen die Baufortschritte auf der Museumsinsel begleitet hat, widmet ihren neuen, fünften Film ganz der wohl bekanntesten Skulptur der Berliner Museen. Sie fährt nach Ägypten, an die Fundorte von Amarna und Theben, steigt in die Königsgräber, und befragt Ägyptologen vor Ort. Und kann das Rätsel Nofretete doch nicht lösen. Denn zwar ist Nofretete mit ihrem Gatten Echnaton auf vielen Reliefs und in Skulpturen abgebildet, oft in erstaunlich intimen, liebevollen Familienszenen. Doch wie sie lebte, und welche politische Bedeutung sie in Echnatons neu gegründetem Sonnenkult hatte, ist bis heute unklar.

So können sich auch heutige Ägyptologen oft nur auf Hobbypsychologie verlegen. Sie sei ihrem mehr an Philosophie und Theologie interessierten Gatten deutlich überlegen gewesen, ja die eigentliche Herrscherin im Reich, mutmaßt Dorothea Arnold, Leiterin der Ägyptischen Sammlung des Metropolitan Museum New York, angesichts eines Doppelporträts, das Nofretete in der Tat mit energisch in die Luft gerecktem Kinn, Echnathon dagegen nachdenklich nach unten gekehrt zeigt. Ja, manche Ägyptologen gehen sogar davon aus, dass sie nach dem Tod ihres Mannes selbst die Regentschaft übernahm. Mit Herrscherkrone, nubischer Perücke (sonst Männern vorbehalten), den Streitwagen lenkend oder kämpfend ist sie jedenfalls oft abgebildet, ungewöhnlich genug für eine Frau.

1913, als Nofretete nach ihrer Ausgrabung nach Berlin kam, wurde sie wohlweislich nicht in den Museen, sondern bei dem Kunstsammler James Simon daheim über dem Kamin aufgestellt – man wollte keine schlafenden Hunde wecken. Simon, der gute Geist im Hintergrund, hatte die Ausgrabungen in Amarna wie schon vieles andere zuvor mit 30000 Goldmark finanziert. Der ägyptenbegeisterte Kaiser Wilhelm II. kam regelmäßig (unangemeldet) bei ihm in der Tiergartenstraße vorbei, um die schöne Herrscherin zu besuchen. 1924 wurde Nofretete erstmals im Alten Museum der Öffentlichkeit präsentiert und war sofort ein Publikumsrenner. Die Rückforderungen der Ägypter, die damals bei der Sammlungsteilung nicht aufmerksam gewesen waren, ließen nicht auf sich warten und kommen seitdem mit schöner Regelmäßigkeit, wann immer Nofretete in der Öffentlichkeit Schlagzeilen macht.

Auch in Carola Wedels Film bricht Ägyptens Chef-Altertumswissenschaftler Zawi Hawass eine energische Lanze für die Rückkehr der Schönen, die immer noch Ägyptens Eigentum sei. Forderungen, die Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, souverän beiseite wischt, als Einzelmeinung eines begeisterten Museumsmannes: von offizieller Seite gäbe es keine Rückforderung. Der Mäzen und Finanzier James Simon hatte damals übrigens selbst für eine Rückgabe der Büste plädiert.

„Nofretete und das Geheimnis von Amarna“: am heutigen Mittwoch um 21 Uhr, 3sat, und am Sonntag um 0 Uhr, ZDF

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