Tabuthema : Männer, wollt Ihr ewig weinen?

Der Finaltag der Bundesliga brachte einige gestandene Männer zum Schluchzen - wie schön!

Joachim Huber

Am Schluss musste man wegschauen. Ottmar Hitzfeld: von Schluchzern durchgeschüttelt. Kurt Beck: nassgeschwitzt. Jürgen Klopp: im Weinkrampf. Dabei war weder Muttertag noch Wahltag, noch Weihnachten. Es war nur Finaltag in den Fußball-Bundesligen. Nur? An keinem anderen Tag lässt der Mann derart die viel zitierte Emotion heraus. In den Stadien, beim Public Viewing, vor dem Fernseher wird geschluchzt, umarmt, getröstet. Kein Halten, nirgends.

In solchen Momenten müssen bestimmte Moderatoren und Matadore belobigt und hochgeschätzt werden. Zunächst Monica Lierhaus, die als rotblonde Domina der „Sportschau“ ein bisschen auf Freude, ein wenig auf Trauer macht, trotzdem sichtlich auf Distanz hält. Fußball ist ein Spiel, ein Geschäft, kein Weltuntergang, keine Himmelfahrt. Bei Lierhaus wirkt der coole Feminismus, wie ihn eine Charlotte Roche neu belebt hat.

Schon sind wir bei Oliver Kahn. Respekt, der einzige Kerl unter den Flennmännern, bilanziert 20 Jahre Hechten und Fangen wie der Vorstandsvorsitzende der Kahn AG. Dieser Mann der Zahlen wird Fußballexperte beim ZDF, er ersetzt nach der EM den netten Herrn Klopp aus Mainz. Das wird eine echte Herausforderung für den auf Lebenszeit bestimmten Moderator Johannes B. Kerner. Kerner wird sehr wahrscheinlich den Anti-Kahn geben. Gestiker und Hektiker, ganz der Emo-Talker, der den regungslosen, vielleicht bräsigen Kahn in Wallung versetzen will. Ansonsten es im Nationalmannschaftsstudio sehr kühl, angenehm kühl werden kann.

Die Kahn-Warte ist die richtige. Gerhard Delling, der Bundesliga-Experte, hat am Sonntag im Inforadio festgestellt, das Niveau der ersten Liga sei erneut gesunken. Er ist darüber nicht in Tränen ausgebrochen, eine untergründige Empörung war zu hören. Das ist eine Haltung, die aus der Analyse kommt. Der Fußball braucht eine starke Gegenbewegung zu den besinnungslosen Euphorikern und Heulsusen.

Wer weinen mag, der findet im Polizeibericht bessere Gründe. Wenn 1300 Männer in Grün aufpassen, dass nicht weitere 400 Männer 300 anderen Männern auf den Kopf hauen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben