"Tagesschau" im neuen Studio : Geglückte Premiere vor 17-Meter-Videowand

Der erste Einsatz der „Tagesschau“ im neuen Studio verläuft ohne Pannen. Alles andere wäre für den öffentlich-rechtlichen Sender allerdings auch überaus peinlich gewesen - eigentlich sollte das Studio bereits 2012 in Betrieb gehen.

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Jan Hofer, der Chefsprecher der ARD-"Tagesschau" war auch im neuen Studio ein verlässlicher Anker.
Jan Hofer, der Chefsprecher der ARD-"Tagesschau" war auch im neuen Studio ein verlässlicher Anker.Screenshot: Tsp

Einige Befürchtungen waren unbegründet. Die „Tagesschau“, Deutschlands älteste und zugleich meist gesehene TV-Nachrichtensendung, blieb auch im neuen Studio die „Tagesschau“. Dafür sorgte vor allem Chefsprecher Jan Hofer. Der Begriff Anchorman schien an diesem Samstagabend wie für ihn erfunden. Während hinter ihm die 17-Meter-Videowand von sieben Beamern mit Bildern erleuchtet wurde, ordnete er weiterhin zur Sicherheit seine Papiere von links nach rechts. Jan Hofer vertraut lieber seinem Kugelschreiber als dem Touchscreen. Einem solchem Anker kann auch der stärkste Wind der Veränderung nichts anhaben. Die gedeckten Farben von Anzug und Krawatte schienen diesen Eindruck noch einmal zu bestätigen.

Nicht nur die Zuschauer konnten den ersten Einsatz im neuen „Tagesschau“-Studio somit beruhigt verfolgen, sondern auch das Team von ARD-Aktuell. Die erste reguläre Sendung verlief gänzlich ohne Pannen. Alles andere wäre für den öffentlich-rechtlichen Sender allerdings auch überaus peinlich gewesen. Eigentlich hätte das neue Studio bereits 2012 in Betrieb gehen sollen. Doch nach technischen Problemen mit dem Grafiksystem hatte sich die ARD entschieden, lieber auf Nummer sicher zu gehen.

Viele Zuschauer fragen sich, wo sind die 24 Millionen Euro geblieben?

Kai Gniffke, Erster Chefredakteur von ARD-Aktuell, sollte sich nach der Premierensendung dennoch auf heftige Diskussionen einrichten. Einerseits, weil sich viele Zuschauer des gebührenfinanzierten Senders nach dem ersten Blick auf das neue Studio erst recht fragen werden, wohin die 24 Millionen Euro geflossen sind. Anderseits wegen der neuen Dominanz der Bilder, die sich gleich im ersten Beitrag über die bewaffneten Aktivisten in der Ost-Ukraine besonders deutlich gezeigt hatte. Der Streit um die prorussischen Separatisten war bereits am Karfreitag das Aufmacherthema der „Tagesschau“. Das martialische Foto des Kämpfers mit Sturmhaube und Gewehrkolben füllte im neuen Studio nun jedoch den kompletten Hintergrund aus. Mehr Emotionen sollen die großformatigen Bilder beim Zuschauer auslösen, das ist gewollt. Doch solche Aufnahmen lenken unwillkürlich von den Worten des Sprechers ab. Die Redaktion wird nicht umhin kommen, in der nächsten Zeit eine eigene Bildsprache zu entwickeln, um nicht doch in die Gefahr der Boulevardisierung zu geraten. Schließlich war es das Ziel, die Verpackung, aber nicht den Inhalt zu verändern.

Die größten Veränderungen wird es ohnehin für die „Tagesthemen“ geben. In der Magazinsendung können sich die Moderatoren nun freier bewegen. Jan Hofer, der Anchorman des „Tagesschau“, verließ seinen Platz hinter Brücke nicht. Die Zuschauer danken es ihm.

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