Medien : Tagesthemen-Gesichter: Sprecherin Gabi Bauer

Matthias Frings

Bei nur zwei "Tagesthemen"-Gesichtern wird man automatisch zum Star, einer Art Star mit seriösem Nimbus, der leicht dazu führt, das Gewicht der Themen mit der eigenen Wichtigkeit zu verwechseln. Nicht so bei Gabi Bauer. Ihre Qualität zeichnet sich besonders durch das aus, was sie nicht tut: kein gestanztes Nachrichten-Chinesisch, keine pseudokritischen Fragen ohne Nachhaken und keine öffentlich-rechtliche Besserwisser-Attitüde. Gabi Bauer will verstanden werden, also formuliert sie phrasenlos, präzise und klar, damit jedermann sie verstehen kann. Will ein Politiker sich herauswinden, spricht sie ihn genau darauf an, und sie ist in der Lage, jede Pause ebenso menschlich wie souverän zu meistern - wenn kein Teleprompter der Welt mehr helfen kann, dann ist sie am besten.

Gabi Bauers größtes Kunststück aber besteht darin, vor der Kamera gänzlich ungekünstelt zu wirken. Das ist paradox, denn es lässt sich kaum eine künstlichere Situation vorstellen, als dickgeschminkt unter gleißenden Scheinwerfern ein paar Millionen Menschen die Neuigkeiten des Tages nahezubringen. Wer im Staatstheater TV-Studio wirklich entspannt und natürlich rüberkommen will, muss gewissermaßen seine private Person künstlich wieder herstellen. Es ist eine Art Schauspielerei, aber mit der Verschärfung, nicht eine andere Person, sondern sich selbst darzustellen. Und es ist ein gefährliches Unterfangen: Stets muss man in der Lage sein, die Kunstperson von der Privatperson zu trennen. Aber wie wir Frau Bauer kennen, wird sie auch dies bravourös meistern.

Der Autor war Erfinder, Moderator und Produzent des Pro 7-Magazins "liebe sünde" und arbeitet heute als Journalist.

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