Medien : Talk am Mittwoch

Ab August polarisiert N 24 mit Tiedje und Schumacher

Ulrike Simon

Der eine, Hans-Hermann Tiedje, 57, hat bereits Talkshow-Erfahrung gesammelt. Ende der 80er moderierte er mit Margarethe Schreinemakers freitags die „NDR– Talkshow“. Daneben war er Chefredakteur von „Bunte“ und „Bild“, dichtete zum quer über die Zeitung gelegten Kanzler Kohl die Zeile „Der Umfaller“ und erwarb sich nicht nur damit den Ruf als „Rambo des Boulevardjournalismus“. Heute ist er Vorstandschef der Beratungsfirma WMP (Wirtschaft, Medien, Politik) in Berlin.

Der andere, Hajo Schumacher, 42, war bisher immer nur Gast von Talkshows. Nach Stationen als Vizechef im Hauptstadtbüro des „Spiegels“ und als Chefredakteur von „Max“ in Berlin begann er Ende 2002 als freier Journalist zu arbeiten, verfasste mehrere Bücher und schrieb zuletzt seine Dissertation.

Beide zusammen moderieren vom 30. August an, nach der Sommerpause, bei N 24 die neue Talkshow „Links-Rechts“. Sie wird zeitnah aufgezeichnet und in Eigenregie produziert. N 24 schließt mit ihr die Talkschiene von 23 Uhr 30 bis Mitternacht: Montags läuft „Was erlauben Strunz“ mit durchschnittlich 0,8 Prozent Marktanteil, dienstags Arabella Kiesbauer mit 0,5 und am Donnerstag „Studio Friedman“ mit 0,9 Prozent. Der Freitag, an dem die meisten mental im Wochenende weilen, soll Talk-frei bleiben. Mittwochs klaffte jedoch eine Lücke. Sie wird nun von Tiedje und Schumacher gefüllt.

„Beide sind echte Typen, die die Political Correctness sicher nicht erfunden haben, sondern auf den Punkt formulieren, sich einmischen und auch wirklich etwas zu sagen haben“, begründet N-24-Chefredakteur Peter Limbourg die Wahl der Moderatoren.

Überraschend ist, dass in Zeiten, in denen Begriffe wie rechts und links in der Politik ausgedient zu haben scheinen, eine Talkshow ausgerechnet „Links- Rechts“ getauft wird. Limbourg widerspricht nicht, sagt aber: „Der Zuschauer weiß sofort, was gemeint ist. Außerdem ist es gerade in Zeiten der großen Koalition wichtig, politische Unterschiede herauszustellen, und das wird Tiedje und Schumacher gelingen, ohne dass der eine immer den Rechten und der andere künstlich den Linken mimen muss.“ Was sagte Tiejde einmal? „Ich bin eine schwarze Seele mit vielen roten Freunden“. Denn: „mit Linken“ könne man „viel besser feiern“.

Problematisch könnte sich auswirken, wenn alle vier N-24-Talksendungen um dieselben Themen und Gäste streiten sollten. Ein klares Profil der einzelnen Formate, das über die Unterscheidbarkeit der Moderatoren hinausgeht, wäre da sicher hilfreich. Ansonsten muss Andrej Grabowski auf die gerechte Verteilung achten. Er ist, mit Ausnahme des außer Haus produzierten „Studio Friedman“, Redaktionsleiter aller Talkformate des Berliner Nachrichtensenders.

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