Talk bei Maybrit Illner zu Uli Hoeneß : Millionen-Zockerei statt Bungee-Jumping

Bei Maybrit Illner wurde wieder einmal über Uli Hoeneß diskutiert, diesmal verpackt in Gesellschafts- und Medienkritik. Heraus kam leider nicht viel mehr als Küchenpsychologie - und eine neue Theorie über Hoeneß' Motive.

Richard Weber
Uli Hoeneß als Zuschauer bei einem Spiel des FC Bayern München.
Uli Hoeneß als Zuschauer bei einem Spiel des FC Bayern München.Foto: Imago

Eine Sendung mit dem Alliterations-Gewitter-Titel "Helden, Hoeneß, Hass und Häme - Kennen wir keine Gnade mehr?" lässt eigentlich nichts Gutes erwarten. Da wird also zum gefühlt tausendsten Mal auch bei Maybrit Illner über einen Prominenten und seine Verfehlungen geplaudert. Und damit das nicht zu offensichtlich wird, gibt es das mediale Feigenblatt der möglich stattfindenden Medien- oder Gesellschaftskritik mit dem das mächtige Geschlechtsorgan „einfacher, simpler Klatsch“ nur notdürftig kaschiert werden kann.

In "Network", einer der genialsten Mediensatiren des amerikanischen Kinos, engagiert ein TV-Sender Terroristen, damit der Nachrichten-Stoff nicht  ausgeht. So was brauchen wir nicht. Wir haben Jörg Kachelmann und Karl-Theodor zu Guttenberg, Christian Wulff und Sebastian Edathy, Tebartz van Elst und Alice Schwarzer und jetzt auch noch Uli Hoeneß. Zurück zu Maybrit Illner, dieser intelligenten Mischung aus Talk-Domina und Schwafel-Schmusekätzchen. Leider kann sie nicht verhindern, dass am Anfang ziemlich hypothetisch über Herrn Hoeneß und seine Seele küchenpsychologisiert wird. Hoeneß-Freunde wie "Stern"-Journalist Hans-Ulrich Jörges oder Ex-Bayern-Spieler Olaf Thon und Hoeneß-Feinde wie "Spiegel"-Reporter Juan Moreno und der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans sehen in dem Club-Präsidenten und Würstchen-Produzenten entweder einen getriebenen Glücksspieler, einen Gutmenschen mit Abgründen oder einen eitlen Besserwisser, der es nicht gelernt hat zu verlieren.

Eine neue Theorie: Hoeneß war einfach unterfordert

Juan Moreno kennt sogar den wahren Grund für die ganzen Geldspielereien. Uli Hoeneß sei einfach unterfordert gewesen. Beim FC-Bayern war alles geregelt, deshalb brauchte er  neue Herausforderungen. Millionen-Zockerei als andere, aber viel lohnendere Form des Bungee-Jumping? Warum nicht. Dann wird auf der TV-Quatschbühne das zweite Kampffeld betreten – die schlimmen Schreiberlinge und ihre schlimmen Taten. Wenn die Moderatorin des Massenmediums Fernsehen über die Exzesse des Massenmediums Presse spricht, dann ist das eigentlich schon ziemlich dreist und scheinheilig. Aber wenn Jörges mit dem heiligen Zorn einer Johanna der Edelfedern über herumlungernde Photographen lamentiert, die vor dem Haus von Hoeneß ihr Quartier aufgeschlagen haben und Uli auf dem Weg ins Gefängnis abzuschießen, dann ist das mehr als bigott.

Soziale Netzwerke statt Stammtisch

Nicht nur die böse "Bild", sondern auch der gute "Stern" würden nämlich für so ein Bild eine ordentliche Stange Geld abdrücken. In der nächsten Runde – bei der Internet-Beschimpfung geht es um verbales Mobbing. Früher war es der Stammtisch mit seinen alkoholseligen Plaudertaschen, jetzt sind es die Sozialen Netze mit ihren Dauer-Chattern. Der Unterschied ist, früher mussten sich höchstens Kellnerinnen oder Taxifahrer den Blödsinn anhören, heute erfährt es vielleicht die ganze Welt.

Es bleibt dem Psychologen und Theologen Manfred Lutz vorbehalten, die wirklich wichtigen Botschaften der Sendung zu verkünden. Es sind meistens die, die es mit ihren Handwerkerrechnungen oder Essensquittungen nicht so genau nehmen, die am lautesten über andere Steuerhinterzieher herziehen. Und egal ob 50 Euro oder 28 Millionen Euro. Von einem streng moralischen Standpunkt ist beides nicht erlaubt.

 

 

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