Talk im Feldlager : Aus zwei mach eins

PR für Sat 1, PR für die Bundeswehr: Wie Kerner und Guttenberg zusammenfanden.

Sebastian Brauns/Joachim Huber/ Michael Schmidt
Talk an der Front: Kerner (links) spricht mit Guttenberg vor 300 Soldaten. Foto: dpa
Talk an der Front: Kerner (links) spricht mit Guttenberg vor 300 Soldaten. Foto: dpaFoto: dpa

Die erste Anfrage kam von Sat-1-Talker Johannes B. Kerner im vergangenen August. Er bat darum, eine Sendung im Feldlager Masar-e-Sharif in Afghanistan aufzeichnen zu können. Die Anwesenheit von Bundesverteidigungsminister KarlTheodor zu Guttenberg wurde als wünschenswert erachtet, war aber keine Bedingung. Die Bundeswehr suchte nach einem Termin: Wann ist die Belastung für die Truppe vor Ort vertretbar, wann macht es vom Einsatz her Sinn, wann sind die Transportkapazitäten gegeben. Es brauchte ein gutes Dutzend Plätze für Kerners Team, Kameramänner, Tonexperten, Maskenbildner, deutlich mehr als etwa für ein Team, das sich um die nachrichtliche Berichterstattung kümmert.

Spezielle Sicherheitsvorkehrungen für die Aufzeichnung der Talkshow waren dagegen nicht nötig – das Lager ist gesichert, Kerner hat es nicht verlassen. Ende November war klar, dass der Kerner-Besuch mit dem Minister zusammen möglich ist. „Glück, dass sich das verbinden ließ", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Withold Pieta. Dass Guttenbergs Ehefrau Stephanie dabei sein würde, stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Sie tritt in der Sendung selbst nicht auf. Thema des Ministergesprächs mit Kerner ist der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Soldaten kommen zu Wort. „Deshalb befürworten wir das Ganze“, sagte der Sprecher, mit einer PR-Show habe das nichts zu tun, es gehe vielmehr darum, dem „freundlichen Desinteresse“, das der frühere Bundespräsident Horst Köhler als Grundhaltung der Deutschen zur Bundeswehr ausgemacht hatte, etwas entgegenzusetzen und zu „erklären, was da in Afghanistan passiert“.

Noch nie wurde eine deutsche Talkshow aus einem Lager der Bundeswehr gesendet. Von Sat 1 heißt es, die Sendung sei für die Soldaten gemacht. Das Weihnachtsfest, die im Januar anstehende Mandatsverlängerung im Bundestag und der immerwährende Eindruck, die Truppe erfahre zu wenig Anerkennung in der deutschen Öffentlichkeit, haben Sat 1 dazu bewegt, Kerner an den Hindukusch zu schicken. Laut Verteidigungsministerium wurde die Sat-1-Anfrage wie jede andere Medienanfrage geprüft und im Sinne des Informationsgebotes für positiv erachtet. Der Aufwand vor Ort sei zwar entsprechend groß, aber im Sinne der Soldatinnen und Soldaten, da hier authentisch über den Einsatz in Afghanistan berichtet werde. Die Kerner-Sendung sei nur ein Baustein von vielen, um im Interesse der Truppe über den Einsatz zu informieren, sagte der Sprecher. „Es kommen laufend Anfragen bei uns an, sei es zu Dokumentationen oder zu Reportagen.“ Die Soldaten seien dankbar für jedes Bemühen, das ihre Arbeit angemessen würdigt. Das Verteidigungsministerium erhofft sich durch die Sat-1-Talkshow, eine erweiterte Zielgruppe zu erreichen. Kerner binde ein anderes Publikum als eine ZDF-Dokumentation.

In dem Kerner-Spezial am Donnerstag um 23 Uhr 15 stehen neben Verteidigungsminister Guttenberg vor allem persönliche Geschichten von Soldaten im Vordergrund. Sat 1 möchte zeigen, wie sich das Leben vor Ort abspielt und wie es den Menschen geht. Sonst sieht man bei Kerner die Zuschauer beim Kameraschwenk zu Beginn der Talkshow. Im Fokus sitzen die Gäste, im Hintergrund wirkt die Studiokulisse. In Masar-e-Sharif ist das anders: 300 Soldaten sitzen als Publikum und zugleich als Kulisse samt Militärhubschrauber um Guttenberg und Kerner herum. Wer letztendlich vom Kerner-Besuch profitiert, tatsächlich die Soldaten, der Minister nebst Gattin oder gar der Talker selbst, wird sich zeigen. Nach Meinung von Sat 1 sind das die Soldaten.

Die Konkurrenz des Privatsenders gibt sich gelassen. ARD-Chefredakteur Thomas Baumann sagte, „für ein Gespräch mit dem Bundesminister der Verteidigung müssen wir uns nicht unbedingt nach Afghanistan begeben.“ Die Redaktionen der Nachrichtenmagazine und Gesprächssendungen würden Guttenberg einladen, wenn sie es inhaltlich für geboten erachteten – „etwa dann, wenn es neuerlich um die Verlängerung des Afghanistan-Mandats der Bundeswehr geht oder um Fragen der Bundeswehrreform.“ ZDF-Sprecher Walter Kehr betonte, der Sender habe den Verteidigungsminister angemessen im Programm gehabt, und zwar im Jahresrückblick „Menschen 2010 “ am Sonntag. Sebastian Brauns/Joachim Huber/

Michael Schmidt

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