Talk zur WM 2014 : Illner bleibt beim Thema Fußball auf Stammtischniveau

Israel wird bombardiert, Deutschland schmeißt den obersten US-Spion raus, doch bei Maybrit Illner ging es am Donnerstagabend um Fußball. Die Sendung hatte eine ähnliche Wucht wie das Halbfinale Argentinien - Niederlande.

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Maybrit Illner Foto: dpa
Maybrit IllnerFoto: dpa

Dass die Talkrunde von Maybrit Illner am Donnerstagabend nur als Fiasko enden konnte, das stand im Prinzip schon am Mittwoch fest, als das ZDF das Thema bekannt gab: „Alles oder nichts – Wird Deutschland jetzt Weltmeister?“, denn ähnlich spannend wäre gewesen: „Barfuß oder Lackschuh – wie kommt man am besten in den Himmel?“

Zu diesem Thema hätte Hajo Schumacher auch eine Meinung, denn Schumachers Beruf besteht darin zu allem eine Meinung zu haben, deshalb kann man den Mann nachts um vier wecken und in eine beliebige Talkshow schleppen, er ist eine Meinungsmaschine. Diesmal vertrat er die knallharte Meinung: „Deutschland gewinnt 4:1.“

Eine politische Talkshow?

Schumacher war nicht alleine Schuld an dem Sendungs-Fiasko, Schuld war der Irrglaube irgendwelcher Fernsehredakteure, dass das Thema Fußball nach einer vierwöchigen Weltmeisterschaft „gut funktioniert“; tatsächlich funktioniert das Thema Fußball in so einer Talkshow überhaupt nicht, das musste Günther Jauch bereits feststellen und das stellt außer Markus Lanz jeder fest, der in den vergangenen Wochen aus Versehen seine Talkshow angeschaut hat und dabei war, wie sich Sepp Maier und Walter Eschweiler gegenseitig zu Tode langweilten. Außerdem ist Illner angeblich nicht Lanz, sie soll ja eine „politische Talkshow“ führen, und da hätte es in dieser Woche ja einiges zu besprechen gegeben: Israel wird bombardiert und die Bundesregierung schmeißt den obersten US-Spion in Deutschland aus dem Land. Aber nachdem sich das ZDF ja bereits bei dieser Kerner-Show, in der angeblich die „besten Deutschen“ gesucht wurden, bis auf die Knochen blamiert hatte, und bei der fragwürdigen Nachrichtengewichtung im „heute-journal" in der Halbzeit des Brasilien-Deutschland-Spiels, wundert man sich eigentlich über keine inhaltliche Entscheidung mehr.

Die einstündige Sendung hatte dann auch tatsächlich eine ähnliche Wucht wie das Halbfinale Argentinien gegen die Niederlande. Der nichttalkshowtaugliche Fußballlehrer Felix Magath gab zu Beginn zu, dass er sich in den Brasilianern getäuscht habe, die Ex-Fußballerin Nia Künzer wusste, dass der Druck für die Brasilianer zu hoch war, überhaupt reden am Anfang alle über die „schlechten Brasilianer“, die wirklich gerade genug andere Sorgen haben. Die Sorge des Fernsehkritikers wird wieder einmal bestätigt: Auch Illner bleibt beim Thema Fußball auf Stammtischniveau, anders scheint das Thema nicht verhandelbar.

Eine Fußballdiskussion aus dem Jahr 1986

Hajo Schumacher (nicht Toni, der auch da war) verlangt nach hässlichen Siegen. Die Kritik an der deutschen Mannschaft ist ungerecht. Alle wollen immer Erster werden. Löw, ach ja, Löw... In einer Stunde sagen alle endlich mal, was vorher schon alle anderen gesagt haben. Dass allerdings weder Thomas Berthold noch Hajo Schumacher wissen, was der Begriff "Rumpelfußball" bedeutet, ist fast schon sensationelle Geschichtsklitterung – offensichtlich macht ein gewisser Salon-Chauvinismus zum einen blind, zum anderen aber auch gierig nach Erfolg, denn von Schönheit wollte niemand etwas wissen, darüber wurde nicht gesprochen – es war eine Fußballdiskussion aus dem Jahre 1986. Um einen Rest von politischen Anspruch zu bewahren, ging es am Ende noch für vier Minuten um die Fifa und um Sepp Blatter. Dann sagte Illner noch „Waldmeisterschaftsfinale“ und alle tippten auf einen Sieg der deutschen Mannschaft.

Dann kann Markus Lanz. Zu Gast war unter anderem der Ex-Fußballer Hansi Müller.

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