TALKER HAT FERTIG : Larry is King

Aber jetzt hört der weltweit bekannteste US-Talker auf, nach 25 Jahren. Die Quoten seiner CNN-Show sind deutlich gesunken.

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Die berühmtesten Hosenträger des globalen Fernsehens wollen nicht mehr, sollen nicht mehr. Larry King hört mit seiner Talkshow auf. „Irgendwann im Herbst“, nach 25 Jahren „Larry King Live“ werde Schluss sein, sagte der Präsident von CNN-USA, Jonathan Klein. Die Gesprächssendung mit Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Showgeschäft ist über CNN-International in aller Welt zu sehen, auch in Deutschland.

Larry King sagte zu Beginn seiner Talkshow am Dienstagabend, er möchte „eine persönliche Nachricht mit den Zuschauern teilen“. Er habe den Leuten von CNN gesagt, dass „ich ,Larry King Live’ im Herbst beenden möchte und sie haben das großzügig akzeptiert“. Das gebe ihm mehr Zeit für seine Frau und um mit seinen Kindern zu Baseballspielen zu gehen. Das Privatleben des heute 76-jährigen King darf als chaotisch gelten. Der New Yorker King ist seit 13 Jahren mit der gut 25 Jahre jüngeren Shawn Southwick verheiratet. Sie ist Kings siebte Frau in achter Ehe, da er mit einer seiner Ehefrauen, Alene Akins, zweimal verheiratet war. Im April hatte sich das Paar King-Southwick erst getrennt, dann wieder versöhnt. In den Ehen wurden fünf Kinder geboren und ein Adoptivkind in den King-Clan geholt. King hatte mehrere Herzinfarkte, zweimal soll er Privatkonkurs angemeldet haben

So ganz wird sich der Mann mit den Hosenträgern, den aufgekrempelten Ärmeln und der dicken schwarzen Brille nicht vom Schirm verabschieden. Er bleibt „ein Teil der CNN-Familie“ und wird Larry-King-Specials über wichtige nationale und internationale Themen machen.

Sehr stolz sei er darauf, „dass wir laut Guinnessbuch der Rekorde die Show sind, die am längsten bei einem Sender zu einer Sendezeit gelaufen ist“. Mehr als 40 000 Gespräche und Interviews will er in seiner journalistischen Karriere geführt haben, die in den 50er Jahren bei einem Radiosender in Florida begann. In seiner werktäglichen CNN-Show hatte er sämtliche US-Präsidenten seit Gerald Ford zu Gast. King gilt als Königsmacher fürs Weiße Haus. Dabei ist er kein exklusiver Polit-Talker, er ist ein „People“-Talker. Zuletzt war Lady Gaga am Dienstag zu Gast und US-Präsident Barack Obama am Donnerstag. Sein Geheimnis, sagte King einmal, sei, dass er neugierig wie ein Mann von der Straße sei, sich kaum vorbereite und kurze Fragen stelle. Kritiker nennen ihn einen „Softball-Interviewer“.

Der Journalist kann das verschmerzen. Mit seinem Bekanntheitsgrad können es nur wenige Fernsehstars in den USA aufnehmen. Seine Popularität brachte ihm zahlreiche Gastauftritte in Filmen wie „Primary Colors“ ein – da spielte er keinen anderen als sich selbst. Larry King ist das Symbol eines (politischen) Talkmasters und das Symbol seiner einstündigen Sendung ist ein altes silbernes Mikrofon, das nur Attrappe ist. Die nächtliche Sendung wurde seit dem 3. Juni 1985 aus Los Angeles, bei wichtigen Anlässen auch aus Washington oder New York ausgestrahlt.

Dass Larry King jetzt aufhört, mag auch mit Einsicht oder Resignation zu tun haben. Im zweiten Quartal 2010 zog „Larry King Live“ im Schnitt nur noch 674 000 Zuschauer an, der niedrigste Wert in der vergangenen Dekade. Zwar haben auch andere CNN-Gesichter wie Wolf Blitzer („Situation Room“) an Zugkraft verloren, doch die Konkurrenten vom konservativ-populistischen Sender Fox liegen deutlich besser. Amerika ist politisch wie medial gespalten. „Hard-Talker“ bei Fox wie Bill O’Reilly oder Glenn Beck bilden für eine wachsende Zahl von Amerikanern eine glaubwürdige (Fernseh)-Opposition zur Obama-Administration, glaubwürdiger gar als die republikanische Partei. Diesem Sog kann sich das „linke“ CNN nicht entziehen.

Oder ist Larry King über die Jahre zum Fossil, zum misstrauisch beäugten Mitglied des Establishments geworden? Zu möglichen Nachfolgern sagte er, es gebe bei dieser Talkform eine Vielzahl geeigneter Leute. Fragen und Antworten, das sei die schlichte Herausforderung: „Come on, it’s Q.+A.“. Bescheidenheit kann eine besondere Form von Eitelkeit sein.

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