Talkshow : Bürgers Wärmestube

Das On-Air-Logo steht: Die ARD-Talkshow „Anne Will“ gibt sich orange. Das Intro zur Sendung der Ex-„Tagesthemen“-Sprecherin präsentiert sich kurz und unspektakulär.

Joachim Huber

Wenn ein Medienprodukt entsteht, dann entsteht darum eine eigene, kleine Produktwelt. Wenn Anne Will, die ehemalige „Tagesthemen“-Moderatorin, am 16. September in der ARD „Sabine Christiansen“ vergessen machen möchte, dann ist jede Sekunde der 60 Minuten Sendezeit von den Verantwortlichen der ARD, von der Redaktion und von Anne Will selbst einmal durchgedacht worden. Soll nach der Premiere keiner kommen und sagen, da sei nachlässig gearbeitet worden. Soweit Erfolg in der Fernsehwelt überhaupt planbar ist. Ein wesentliches Detail steht – das On-Air-Logo von „Anne Will“. Dieses Logo wird der Zuschauer am Anfang der Sendung, etwa sieben Sekunden nach deren Beginn zu sehen bekommen. Bei „Anne Will“ wird dieser Vorspann sehr kurz, sprich nur jene sieben Sekunden lang sein. Diese Animation wird im Gegensatz zu „Christianen“ keine „Kopfgeburt“. Dort wanderten Haupt und Oberkörper der Moderatorin von links nach rechts und rechts nach links zu einem jeweils wechselnden Gesprächspartner. Auch anders als bei „Maybrit Illner“ vom ZDF, wo die Namensgeberin und Moderatorin mit sogenannten Beauty Shots ins Eingangsbild genommen wird.

Das Intro zu „Anne Will“ zeigt gar keinen Kopf – was auch Kostengründe hat: Wechselt die Frisur der Hauptdarstellerin, muss für den Vorspann nachgearbeitet werden. Die Absetzbewegung der „Anne Will“ von „Sabine Christiansen“, sprich den Unterschied zwischen beiden Angeboten kenntlich zu machen, diesem Ziel dient an erster Stelle die Farbgebung. „Sabine Christiansen“ kam dem Zuschauer zu Beginn der Talkshow blau entgegen – das Logo nahm jenen kühlen Nachrichtenton der Informationssendungen des Ersten auf. Ganz anders „Anne Will“: Ihre Welt ist orange. Nach Angaben von Ulli Krieg, Creative Director bei der verantwortlichen Agentur DMC, die unter anderem das Opening für „Beckmann“, den Grundentwurf für „Menschen bei Maischberger“ und generell das On- und Off-Air-Design des Ersten kreiert hat, soll das Will-Logo den Perspektivenwechsel unterstreichen – weg von der Parteipolitik und hin zum Bürgertalk. Was sich dann auch im Design des Studios mit den wärmeren Farben in Berlin-Adlershof niederschlagen soll.

Weitere Details und Auskünfte sind weder von der Designerin noch von der Redaktion zu bekommen. Aber die Botschaft des On-Air-Logos von „Anne Will“ ist klar, sagt Ulli Krieg: „Kein Spektakel. Keine Selbstverwirklichung des Designers. Zeitlos und klassisch. Einfach Anne Will.“

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