Talkshow-Premiere : „Ich bin Hans im Glück“

Peter Hahne hat jetzt eine Talkshow. Ein Gespräch über „Peter Hahne“, Grauschleier, Margot Käßmann

Mitten im Leben sieht sich Peter Hahne in seinem Studio, das sich zum Pariser Platz, zum Brandenburger Tor hin öffnet. Foto: dpa
Mitten im Leben sieht sich Peter Hahne in seinem Studio, das sich zum Pariser Platz, zum Brandenburger Tor hin öffnet. Foto: dpaFoto: dpa

Herr Hahne, mit „Peter Hahne“ werden Sie endgültig zum doppelten Lottchen. Womit hat sich der Zuschauer das verdient?

Erst mal: Wenn schon, dann fühle ich mich als Hans im Glück. Die Sendung bietet ein Format, das meiner Erfahrung nach von den Zuschauern gewünscht wird. Eine halbe Stunde, konzentriert auf eine oder zwei Personen, ein echtes Gespräch und das mitten in Berlin, vor dem Brandenburger Tor, wenn das kein Bonbon am Sonntagmittag ist.

Und womit haben Sie sich das verdient?

Nach elf Jahren Hauptstadtjournalismus und immerhin 57 Jahre alt wollte ich noch einmal etwas ganz Neues versuchen. Ein Talkformat, bei dem Politisch-Fachliches mit Menschlich-Persönlich-Privatem verbunden wird. Bei „Peter Hahne“ kann ich mehr Meinung hineinbringen, gleichzeitig ein Gespräch führen, das nicht aus Worthülsen und Satzfetzen besteht. Eine halbe Stunde intensive Unterhaltung, das wünsche ich mir.

Noch eine Talkshow, um Himmels willen! Verstehen Sie unsere Skepsis?

Diese Frage würde sich vielleicht stellen, wenn wir abends senden würden. Tun wir aber nicht. Wir wollen ein anderes Format: Mut zu Einzelgästen, auch zu eher unbekannten Gästen wie beispielsweise der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig. Die praxiserprobte Juristin mit der Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zusammenzubringen, das halte ich für interessanter als den üblichen politischen Streit.

Sehen wir mit „Peter Hahne“ eine neue oder eine neuartige Talksendung?

Einen Talk der anderen Art. Eine intime Gesprächsatmosphäre, aber mit Weite nach draußen durch das Studiofenster zum Pariser Platz, mitten im Leben, nah bei den Menschen.

Klingt ein bisschen nach transparenter Folterkammer.

Die Zuschauer wollen Talk. Was sie nicht wollen, ist noch eine Sendung, in der es nur konfrontativ zugeht und gestritten wird.

Woher wollen Sie wissen, wie der Zuschauer am Sonntag um 13 Uhr, kurz nach dem Mittagessen, gestimmt ist?

Das ZDF hat um diese Zeit mit dem „Fernsehgarten“ eine Riesenquote. Die Kunst wird sein, möglichst viele dieser Zuschauer dazu zu bringen, sich „Peter Hahne“ anzusehen. Wir wollen sie nicht künstlich betroffen machen, sondern thematisieren, was sie wirklich betrifft.

Wie lange geben Sie sich?

„Peter Hahne“ ist ein Experiment. Ich setze auf Gäste, die das Gespräch suchen. Jetzt, da der bürgerlichen Koalition der bürgerliche Umgangston abhanden gekommen zu sein scheint, würde ich gerne mal mit den Brüdern Bernhard und Hans-Jochen Vogel darüber diskutieren, ob früher der Ton wirklich besser war.

Bei Ihren Gäste setzen Sie auf Exklusivität.

Richtig. Wenn also der Bundespräsident gewählt ist, wäre es ideal, die Ehefrau des neuen Bundespräsidenten im Studio zu haben.

Margot Käßmann, die gefallene EKD-Ratsvorsitzende ist Ihr erster Gast. Glücklich?

Natürlich. Margot Käßmann wird sich, ehe sie nach Amerika geht, nur einmal dem Fernsehpublikum stellen. Bei „Peter Hahne“.

Dürfen wir hoffen, dass Talk-Dauergäste wie Hans-Olaf Henkel bei „Peter Hahne“ Auftrittsverbot haben?

Auftrittsverbot hat bei mir niemand – außer Extremisten oder Radikale. Die Themen müssen in den Sonntagmittag passen, da gibt es keine Tabus. Wenn HansOlaf Henkel für ein Thema der originellste Gast ist, dann laden wir ihn auch ein.

Gab es schon Versuche, Ihnen Gäste nahe zu bringen?

Überhaupt nicht, aber ein großes Interesse an einem intensiven Gespräch, das keinen Fragekatalog abarbeitet, sondern Gedanken entwickelt. Es gibt auch keine Häme gegenüber dem Sendeplatz. Die verbreiten höchstens Journalisten, die glauben, alle Deutschen essen pünktlich um 13 Uhr ihren Sonntagsbraten. Als Moderator bin ich Dienstleister. Ich stelle stellvertretend für die Zuschauer die Fragen, von denen ich glaube, dass sie ihnen unter den Nägeln brennen.

Peter Hahne, Christenmensch, Kuschel-Talker, Käßmann-Versteher, so wird es ausgehen, oder?

Ich bin kein Grauschleier-Journalist. Was rüberkommen soll, ist auch ein bisschen Orientierung, Perspektive, Hoffnung. Ich will motivieren. Gehässigkeit wäre bei mir künstlich. Im Fernsehen kann man kein Theater spielen. Ich will und muss authentisch sein.

Sie sind die definitive Antwort auf die ewige Frage: „Wo bleibt denn das Positive?“

Sie wollen mich unbedingt missverstehen, oder? Selbst eine knallharte Diskussion zum Thema Jugendkriminalität muss niemanden ratlos und verzweifelt zurücklassen. Sehen Sie mal, wir stehen am Anfang unserer Talkshow. Da wird sich erst nach einigen Wochen herauskristallisiert haben, was sich besser eignet, Dinge zu klären oder zu erklären: der Hardcore-Politik-Streit oder vielleicht doch eher das einfühlsame Gespräch.

Bei Ihnen wird Margot Käßmann uns also endlich sagen, wer der Beifahrer war in jener Nacht ihrer Trunkenheitsfahrt?

Die Frage muss natürlich gestellt werden. Aber es gibt beim Nachfragen auch eine Höflichkeitsgrenze, wenn jemand eine Frage nicht beantworten will. Schlüssellochjournalismus wird es bei mir nicht geben. Ich achte die Privatsphäre. Wenn Frau Käßmann aber an dieser Stelle aufsteht und geht, dann müsste ich mich eben bis zum Schluss der Sendung selbst interviewen.

Endlich haben Sie es erreicht, Herr Hahne: Das Wort zum Sonntag, und das aus Ihrem Mund!

Wir machen nicht das Wort zum Sonntag, sondern den Talk am Sonntag. Unser Format kann vielleicht schon den Sonntagmittag spannend und anregend machen. Ich hoffe, „Peter Hahne“ wird nicht einfach nur wegkonsumiert.

An nichts feilt die Fernsehprominenz so verbissen wie an dem Schlusssatz. Haben Sie schon einen?

Denselben, wie seit 38 Jahren, aber natürlich auf den Sendetag bezogen: „Das war’s für heute. Schönen Sonntag noch.“

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

„Peter Hahne“, 13 Uhr 03, ZDF

Peter Hahne

, geboren 1952 in Minden/Westfalen, begann seine Karriere beim Saarländischen Rundfunk. Nach seinem Wechsel zum ZDF moderierte er von 1989 bis 1998 erst das „heute-journal“ und dann „heute“um 19 Uhr. Danach ging Hahne nach Berlin, als stellvertetender Leiter des Hauptstadtstudios und Moderator des Politmagazins „Berlin direkt“. Sein neue Aufgabe, die Talkshow „Peter Hahne“, hängt mit einer größeren Rochade zusammen: Der Berliner Studioleiter Peter Frey wurde ZDF-

Chefredakteur, seine Nachfolgerin wurde Bettina Schausten, Thomas Walde ihr Verteter; Peter Hahnes Vertrag lief aus.

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