Tanz-Wettbewerb : Saturday Night Fever

Am Ende gewinnt immer der Beste. Aber muss man immer gewinnen? Beim Tanzen? In Anlehnung an den europäischen Song-Wettbewerb ähnlichen Namens gibt es jetzt den „European Dance Contest“.

Andreas Oswald

Beim Paartanz tut der Mann alles, damit die Frau sich gut fühlt und sie gut aussieht, sich selbst nimmt er zurück, das ist sein Job. Dafür wird er später vielleicht belohnt, wobei es ihm aber wahrscheinlich weniger auf Punkte ankommt. Aus Tanzen einen Wettbewerb zu machen, war also schon immer eine etwas absurde Idee, aber es war ja auch eine Idee der Engländer. Nichts gegen Engländer. Aber sie haben Tänze einst standardisiert und Wettbewerbe daraus gemacht, die europaweit eine gewaltige Subkultur hervorbrachten, die jedes Wochenende die Turn- und Stadthallen füllt.

Es waren auch Engländer, die den „Eurovision Dance Contest“ fürs Fernsehen erfunden haben, nach dem Vorbild des Songwettbewerbs ähnlichen Namens. Kann so etwas gutgehen? Schon den Songwettbewerb empfindet mancher als Zumutung. Und jetzt kommt das Ganze auch noch als Tanzwettbewerb daher? Es hat ein paar durchaus erfolgreiche Vorläufer gegeben, aber das waren reine Prominentenwettbewerbe. Sollen aber Nationen beim Tanzen gegeneinander antreten? Der Standardtanz wurde gerade deshalb erfunden, damit Menschen in allen Ländern die gleichen Schritte tanzen.

Kleingeistige Einwände. Wenn die Erwartungen niedrig sind, erscheint alles in etwas günstigerem Licht.

Sie waren schön anzusehen, die Paare. Und was sie da hinlegten, war außerordentlich. Gerade, wenn es keine Profitänzer waren. Gerade die kleinen Fehler, das etwas Unperfekte, es gehört dazu, wenn man tanzt, und das wurde vom Publikum auch nicht abgestraft. Das Fernsehpublikum hatte am Samstagabend ein untrügliches Gespür. Das deutsche Paar – die begabte Fernsehschauspielerin Wolke Hegenbarth und Profitänzer Oliver Seefeldt – kam auf Platz acht. Die beiden machten eine hervorragende Figur. Ihre Tänze gelangen perfekt, mit akrobatischen Einlagen, die das Publikum begeisterten. Dass sie keinen besseren Platz bekamen, lag vielleicht an der Kür. Da, wo Individualität gefragt war, blieb das Paar sehr im Formalen des Standardtanzes gefangen.

Gewonnen haben die Finnen. Profis zwar beide. Aber sie flochten in ihre Rumba Schritte ein und Verzögerungen, wie man sie nur beim argentinischen Tango kennt, der bei den Finnen so beliebt ist. Argentinischer Tango ist beim Standardtanz verboten. Absolut verboten. Das weiß zwar das Publikum nicht, aber es honorierte instinktiv das Grenzüberschreitende. Und das am Samstagabend in der ARD.

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