''Tatort'' : Als Schimanski zum Helden wurde

Der 700. „Tatort“ und ein neues Ermittlerteam

Simone Schellhammer

Mit dem „Tatort“ ist es wie mit alten Freunden: Irgendwann hat man vergessen, warum man sie eigentlich so gerne mag. Beim Krimi-Format ist es wahrscheinlich die Mischung aus Verlässlichkeit und einem gewissen Ehrgeiz, die aus ihm spricht – und nicht zuletzt das sonntägliche Abendritual, das die Sendung für viele unverzichtbar macht. Jetzt feiert der „Tatort“ Geburtstag. Am 25. Mai gibt es die 700. Folge zu sehen.

Dabei war das Projekt „Tatort“ eigentlich auf zwei Jahre begrenzt. Doch inzwischen erscheint es seit 38 Jahren. Die Idee dahinter: Ermittler aus den einzelnen Bundesländern (später auch Österreich und der Schweiz) zu vereinen – ein Spiegelbild der ARD-Struktur und zugleich cleveres Marketing. „Taxi nach Leipzig“ hieß die erste Folge, die am 29. November 1970 ausgestrahlt wurde. Damals erzielten die Sonntagskrimis Traumquoten von bis zu 71 Prozent, heute sind es noch knapp 16 Prozent.

Als es im zehnten Jahr kriselte, trat Proll-Kommissar Schimanski (Götz George) seinen Dienst an und bescherte der ARD einen neuen Fernsehhelden. Immer wieder inszenierten namhafte Regisseure wie Wolfgang Petersen, Eberhard Fechner oder Hajo Gies den Krimi, der ein breites Themenspektrum zeigt: Von Wirtschaftskriminalität über Blutdiamanten bis zu Kindesmisshandlung bildet der „Tatort“ im besten Fall bundesrepublikanische Wirklichkeit ab.

Mit der Geburtstagsausgabe am 25. Mai, wird in Leipzig ein neues Ermittlerteam eingeführt: Simone Thomalla und Martin Wuttke lösen nach 45 Fällen das Duo Ehrlicher (Peter Sodann) und Kain (Bernd Michael Lade) ab. Dem klassischen „Tatort“-Muster folgend sind die beiden gegensätzliche Charaktere. Sie reagiert oft spontan, er wägt seine Entscheidungen genau ab und ist „ein stiller Brüter“, wie Günter Struve, Programmdirektor der ARD, sagt. Zusätzliche Spannung entsteht daraus, dass die beiden vor etlicher Zeit für drei Jahre verheiratet waren. Solch eine Konstellation ist in der Tat neu und einigermaßen gewagt.

Wie schon im neuen Stuttgarter „Tatort“ gerät das oft beschworene Lokalkolorit auch hier zu Gunsten der Charakterzeichnungen weit in den Hintergrund. Wuttke alias Andreas Keppler zuckelt zwar gern mit der Straßenbahn durch Leipzig, aber ansonsten kein Sächsisch und kein Völkerschlachtdenkmal weit und breit, sondern eher Leipziger Allerlei.

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