"Tatort" am Sonntagabend : Wiederholungstäter

Hamburg, Köln, München: Welcher „Tatort“ wird in der Sommerpause eigentlich im Ersten wiederholt? Und warum ist der RBB nicht dabei?

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Wiedersehen macht Freude. Die Ludwigshafener „Tatort“-Ermittler Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) sind am Sonntag im Einsatz.
Wiedersehen macht Freude. Die Ludwigshafener „Tatort“-Ermittler Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe)...Foto: SWR

Krimi im Ersten am Sonntagabend? Das geht immer. Selbst als Wiederholung in der Sommerpause. Den Rostocker „Polizeiruf“ mit Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau über den Mord an einem Fischer schalteten zuletzt gut sechs Millionen Zuschauer ein (Marktanteil: 19,7 Prozent). Für eine zwei Jahre alte Wiederholung ist das ein sehr guter Wert. Selbst das ZDF-„Traumschiff“ hält da nicht mit. Das dürfte auch an diesem Sonntagabend so sein, wenn der „Tatort - Kaltblütig“ mit Lena Odenthal wiederholt wird, ebenfalls aus 2013.

Das mit dem Nörgeln über maue Sommerprogramme ist also relativ zu sehen. Es wird trotzdem eingeschaltet, am Sonntag um 20 Uhr 15. Vielleicht lösen Krimi-Wiederholungen auch ein ARD-Problem. Zuletzt machten Gerüchte die Runde, dass die Rundfunkanstalten Einsparungen bei der beliebtesten Krimi-Reihe der Deutschen planen. So wurden 2014 nur 43 neue „Tatort“- und „Polizeiruf 110“-Folgen gezeigt, obwohl 48 möglich gewesen wären. In diesem Jahr sind es laut Das-Erste-Programmdirektion immerhin 46 Erstsendungen.

In der Regel kostet ein „Tatort“ um die 1,5 Millionen Euro, von Ausreißern nach oben wie bei den Til-Schweiger-Produktionen des NDR abgesehen. Für „Tatort“ beziehungsweise „ Polizeiruf“ gehen 15 Cent der monatlichen Rundfunkgebühren drauf. Da sind Wiederholungen billiger. Und manch’ schwaches Drehbuch bleibt in der Schublade, wenn die Zahl der zu drehenden Episoden eingeschränkt werden würde.

Was kommt derzeit am Sonntag auf den Bildschirm?

Die Primetime-Wiederholungskrimis sollen in der Regel nicht älter als zwei Jahre alt sein und werden auch nach Erfüllung des Jahres-Mengengerüsts der einzelnen Sender innerhalb der ARD ausgewählt, erklärt eine WDR-Sprecherin. NDR, BR, SWR und WDR senden mehr Wiederholungen, da sie mehr Erstsendungen produzieren und anteilig stärker im Programm vertreten sind als Radio Bremen oder der Saarländische Rundfunk. Die Erstausstrahlungen müssen keine bestimmte Quote erreicht haben, um wiederholt zu werden und sollten in der Regel noch nicht in den Dritten Programmen gezeigt worden sein.

In diesem Sommer stehen für den „Tatort“ acht Wiederholungsplätze zur Verfügung. Gesendet wurden und werden noch bis Ende August zwei SWR-„Tatorte“, zwei NDR-„Tatorte“, zwei WDR-„Tatorte“, ein BR- und ein Radio-Bremen-„Tatort“. Ein RBB-„Tatort“ ist nicht dabei.

Für weitere Wiederholungen gibt es dann kein Honorar mehr

Der RBB fehlt auch im vorderen Ranking der „Tatort“-Wiederholungen im Ersten insgesamt. Laut tatort-fundus.de liegt dort die legendäre NDR-Folge „Reifezeugnis“ mit Nastassja Kinski vorn (neun Wiederholungen). Rechnet man die Wiederholungen in den Dritten Programmen hinzu, müssten „Tatort“-Fans die Schimanski-Folge „Unter Brüdern“ aus 1990 mit 31 Ausstrahlungen auswendig kennen. Knapp dahinter mit 30 Wiederholungen der Wiener Ermittler Harald Krassnitzer/Moritz Eisner und die Folge „Tödliche Souvenirs“ aus 2003 sowie „Böses Blut“ (28 Wiederholungen), auch eine ORF-Produktion.

Österreich kommt gut weg in den Wiederholungen, was zunächst im Widerspruch zu der Erkenntnis von tatort-fundus.de zu stehen scheint, wonach ORF-Krimis nicht übermäßig beliebt seien. Die ORF-„Tatorte“ würden vor allem aus Kostengründen so oft wiederholt, dem sogenannten „Buy-Out“-System bei den von der ARD-Tochter Degeto produzierten „Tatort“-Ausgaben folgend. Das Buy-Out-Verfahren ist eine Vertragsart, wo Drehbuchautoren für Ihr Buch einmalig ein Honorar erhalten. Für weitere Wiederholungen gibt es dann kein Honorar mehr.

Warum jetzt an diesem Sonntag für den SWR die Folge „Kaltblütig“ mit der dienstältesten Ermittlerin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ausgewählt wurde? Besonders gute Kritiken bekam die Erstausstrahlung im Januar 2013 nicht, eher im Gegenteil. Mit 10,02 Millionen Zuschauern (Marktanteil: 26,1 Prozent) war die Quote allerdings beachtlich. Für den Tagessieg wird auch diese „Tatort“-Wiederholung reichen.

„Tatort - Kaltblütig“, Sonntag, ARD, 20 Uhr 15

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