• „Tatort“-Aus für Simone Thomalla und Martin Wuttke: Etwas bemüht, etwas klebrig und nicht unschlagbar spannend

„Tatort“-Aus für Simone Thomalla und Martin Wuttke : Etwas bemüht, etwas klebrig und nicht unschlagbar spannend

Ende mit dem Leipziger Allerlei: Simone Thomalla und Martin Wuttke können als Fahnder gehen. Der MDR will den Sachsen-„Tatort“ neu konzipieren - neuer Schauplatz, neue Ermittler. Müssen die Fans des Sachsen-„Tatorts“ jetzt Trauer tragen?

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Sächseln nicht mehr. Martin Wuttke und Simone Thomalla.
Sächseln nicht mehr. Martin Wuttke und Simone Thomalla.Foto: dpa

Simone Thomalla und Martin Wuttke müssen ihren Dienst als Leipziger „Tatort“-Kommissare quittieren. Der Mitteldeutsche Rundfunk kündigte am Mittwoch überraschend an, für den Krimi aus Sachsen ein neues Konzept zu entwickeln. Das bedeutet zugleich das Aus für die beiden bisherigen Kommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla, 48) und Andreas Keppler (Martin Wuttke, 51).#

"Tatort" werde „grundlegend neu“ gestaltet

MDR-Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi sagte, das Format werde „grundlegend neu“ gestaltet. „Nach der erfolgreichen Etablierung zweier ,Tatort’-Ausgaben aus Thüringen und des ,Polizeirufs 110’ aus Sachsen-Anhalt mit neuem Ermittlerpaar und neuem Standort werden wir auch den Sachsen-Tatort neu positionieren.“ Seit 2008 sei der MDR mit über 20 „Tatort“-Folgen aus Leipzig sehr erfolgreich gewesen. Das ist laut Jacobi in erster Linie das Verdienst der beiden Hauptdarsteller sowie des exzellenten Produktionsteams dahinter. Mit der Neuaufstellung seiner Krimifamilie für die ARD sei es für den MDR jedoch an der Zeit, auch den „Tatort“ aus Sachsen mit einem neuen Auftritt in die Zukunft zu führen.

MDR-Fernsehfilmchefin Jana Brandt sagte, „der ,Tatort’ aus Leipzig hat Maßstäbe gesetzt, dafür bin ich Simone Thomalla und Martin Wuttke dankbar. Ich bin sicher, unsere beruflichen Wege kreuzen sich wieder.“ Die beiden Schauspieler hätten angekündigt, bei ihrer darstellerischen Arbeit künftig wieder mehr Zeit in neue Projekte zu investieren, sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera.

Noch kein neues Ermittlerteam für Sachsen

Für das neue Konzept und das neue Ermittlerteam will der Sender auf seine Erfahrungen mit dem „Tatort“ aus Thüringen und den „Polizeiruf“ aus Magdeburg zurückgreifen und wieder gezielt regionale und überregionale Produzenten ansprechen. Sowohl die Ermittlerfiguren und deren Besetzung als auch der Handlungsort in Sachsen seien dabei völlig offen. Ab 2016 sei das neue Team im „Tatort“ aus Sachsen dann im Ersten zu sehen.

Müssen die Fans des Sachsen-„Tatorts“ jetzt Trauer tragen? Verglichen mit den übrigen Reihen-Krimis liegt der Leipziger Krimi im vorderen Drittel. Oder soll man besser sagen: Leipziger Allerlei? Bei den Fällen ist dieser „Tatort“ nicht unschlagbar spannend, unsagbar raffiniert, sein vordringliches Ziel ist es, die Betroffenheit des Publikums aufs gesellschaftliche Problem zu lenken. Etwas bemüht, etwas klebrig, weniger der schauspielerischen Intelligenz des „Bühnenriesens“ Martin Wuttke als der mimischen Konzentrationskraft der guten Fernseharbeiterin Simone Thomalla angemessen. Ob Wuttke aufhören wollte, weil seine Lebenspartnerin, die Schauspielerin Margarita Broich, demnächst im „Tatort“ des Hessischen Rundfunks ermittelt?

Wer die Uralt-Duos in München und in Ludwigshafen erlebt, der weiß, dass es auch im schier unkaputtbaren „Tatort“ Grenzen gibt. Der MDR sieht sie – und reagiert.

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